
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sol atmet auf: Geschäfte nach Räumung erleichtert
Ein Ende mit Schrecken
Madrids berühmteste Piazza ist wieder frei. In der Nacht zum Dienstag räumte die Polizei das Protestcamp am „Kilometer Null“, das seit Ende September das Herz der Hauptstadt lahmlegte. Für viele Geschäftsleute kommt diese Befreiung einem Befreiungsschlag gleich – doch die Wunden, die 38 Tage Ausnahmezustand gerissen haben, werden noch lange nachwirken.
Zwischen Umsatzeinbruch und Angstzuständen
Die Bilanz, die Betroffene aus der ersten Reihe nun ziehen, ist verheerend. „Wir haben buchstäblich gezittert“, berichten Angestellte einer Parfümerie direkt am Platz. Die Angst war ihr ständiger Begleiter, während draußen Hunderte campierten. Das Resultat: eine massive Umsatzflaute. Touristen blieben aus, Stammkunden mieden die Zone. Selbst nach der Räumung ist die Anspannung nicht gewichen – noch in derselben Nacht schlugen die Sicherheitsalarme der Geschäfte an, als Unbekannte eine Rückkehr des Protests androhten.
Einzelhändler beschreiben den alltäglichen Spießrutenlauf, Zelte nur einen Meter vor der Ladentür. Ein Traditionsgeschäft musste seine Ware an Belagerern vorbei schleusen. Besonders bitter: Ausgerechnet in den goldenen Herbstwochen, mit dem Día de la Hispanidad und Allerheiligen, blieben die Kassen leer.
„Schlimmer als der 15-M“
So unterschiedlich die Geschäfte sind, so einhellig ist ihr Urteil: Diese Wochen waren eine größere Belastung als der legendäre 15-M von 2011. Was damals als breite, jugendliche Bewegung galt, die „friedlicher“ und kürzer protestierte, sei diesmal radikaler und gefährlicher gewesen. Die ursprünglichen Initiatoren hätten das Feld zunehmend Extremisten und Obdachlosen überlassen, die keine Skrupel kannten. Der Präsident von Hostelería Madrid, José Antonio Aparicio, spricht von „Problemen mit der Sicherheit der eigenen Mitarbeiter“ und einer Branche, die in einer Schlüsselzeit „ihrer Arbeit nicht nachgehen konnte“.
Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft
Die Erleichterung ist nun greifbar, die Zuversicht allerdings gedämpft. Der November ist für den Handel am Platz traditionell ein wichtiger Monat. Ob die Verluste der vergangenen fünf Wochen kompensiert werden können, ist ungewiss. „Ein wirtschaftliches Fazit haben wir noch nicht“, so Aparicio, „aber wir wissen, dass uns wichtige Umsätze entgangen sind.“ Man setze nun alles auf die bevorstehende Weihnachtssaison, die „noch zu retten“ sei. Ein frommer Wunsch – doch der Weg zurück in die Normalität ist für die Geschäfte am Sol erst der Anfang der Aufarbeitung.
Quelle: Europa Press
Quelle: europapress.es