Sanchez kündigt lückenlose Aufklärung an

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Toledo

Sanchez kündigt lückenlose Aufklärung an

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Madrid verspricht Aufklärung nach tödlichem Zugunglück

Rund 24 Stunden nach der schweren Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der Provinz Toledo hat sich Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez persönlich an der Unglücksstelle geäußert und weitreichende Konsequenzen angekündigt. Der Regierungschef sprach von einer Tragödie, die das ganze Land erschüttert habe. Man werde bei der Aufklärung der Ursachen keinerlei Mühen scheuen. Sollten sich Hinweise auf Fahrlässigkeit oder technische Defekte verdichten, werde der Staat mit aller Härte reagieren.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, machte Sánchez deutlich, dass die Regierung entschlossen sei, jeden Aspekt des Vorfalls zu untersuchen. „Wenn es Nachlässigkeiten gegeben hat, wird man es erfahren; wenn es Fehler im Sicherheitssystem gegeben hat, wird es eine entschlossene Antwort geben“, sagte er vor Journalisten am Ort des Geschehens in Urda. Er stellte sich damit hinter die laufenden Ermittlungen der Justiz sowie der unabhängigen Eisenbahn-Unfallkommission CIAF.

Erneuter Schock für das Land

Der Premier zeigte sich tief betroffen von dem Ausmaß der Katastrophe. „Ganz Spanien trauert“, sagte er und kündigte an, dass ab Donnerstag eine dreitägige Staatstrauer gelten werde. Zugleich richtete er sein Mitgefühl an die Angehörigen der mindestens 68 Todesopfer sowie an die verletzten Fahrgäste, die weiterhin in Krankenhäusern behandelt werden. Viele Menschen warteten zudem noch immer auf Nachrichten über das Schicksal ihrer Liebsten, so Sánchez.

Besonders schwer wiegt für den Regierungschef, dass es sich bereits um den zweiten schweren Eisenbahnunfall innerhalb eines Jahres handelt. Erst im Januar waren bei einer Kollision in Adamuz in der Provinz Córdoba 46 Menschen ums Leben gekommen. Eine derartige Häufung sei für ein Land wie Spanien nicht hinnehmbar, betonte Sánchez. Man werde daher nicht nur die Ursachen des aktuellen Unglücks analysieren, sondern auch die Sicherheitsstandards im gesamten Schienennetz überprüfen, um das Vertrauen der Bevölkerung in die Hochgeschwindigkeitszüge wiederherzustellen.

Hinweise auf Fehlentscheidung im Stellwerk

Bereits am Dienstagabend hatte sich abgezeichnet, dass die Ursache des aktuellen Unglücks offenbar nicht mit dem früheren Unfall identisch ist. Der Minister für Verkehr und nachhaltige Mobilität, Óscar Puente, hatte auf eine schwerwiegende Fehlentscheidung des Betriebszentrums im Madrider Bahnhof Atocha verwiesen. Wie er erklärte, habe dieses die uneingeschränkte Weiterfahrt des Renfe-Zugs angeordnet, obwohl das Signalsystem eine rote Warnung anzeigte. Diese wies darauf hin, dass der vorausfahrende Zug des Konkurrenzunternehmens Iryo die Strecke noch nicht vollständig freigegeben hatte. Der nachfolgende Zug prallte daraufhin ungebremst auf den stehenden Zug.

Sánchez enthielt sich zwar einer abschließenden Bewertung der technischen Abläufe, deutete jedoch an, dass die bisherigen Erkenntnisse auf unterschiedliche Ursachen bei beiden Unglücken hindeuten. Die genaue Analyse obliege nun den unabhängigen Ermittlern, den Gerichten sowie den Eisenbahngesellschaften Adif und Renfe, stellte er klar. Erst wenn deren Ergebnisse vorlägen, könne man abschließend urteilen. Dass der Unglücksort Urda erneut an der Schnellfahrstrecke Madrid–Andalusien liegt, dürfte die ohnehin angespannte Debatte um die Sicherheit des Schienenverkehrs im Land weiter anheizen. Für die Angehörigen der Opfer steht derweil die Suche nach den letzten Vermissten im Vordergrund – eine Hoffnung, die auch Sánchez in seiner Ansprache explizit aufgriff. Er wünsche sich, dass möglichst viele Menschen noch lebend gefunden würden, so der Regierungschef, bevor er sich zu einem stillen Gedenken an die Unglücksstelle begab.


Quelle: europapress.es

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