
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Razzia bei Ábalos: Neue Front im Korruptionsfall
Durchsuchung in Valencia
Die spanische Justiz hat ihre Ermittlungen im sogenannten Koldo-Komplex deutlich ausgeweitet. Im Auftrag des Ermittlungsrichters Ismael Moreno von der Audiencia Nacional durchsuchte die Zentraloperationseinheit (UCO) der Guardia Civil am Donnerstag die Wohnung des früheren sozialistischen Ministers José Luis Ábalos in Valencia. Parallel dazu stellten die Beamten Unterlagen bei dem staatlichen Bahninfrastrukturunternehmen Adif sicher, wo sie persönlich vorstellig wurden.
Wie aus Justizkreisen zu erfahren war, hat der Richter ein weiteres, abgetrenntes Ermittlungsverfahren eingeleitet, das sich auf mutmaßliche Straftaten wie die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Einflussnahme und Geldwäsche konzentriert. Die Behörden gehen dem Verdacht nach, dass öffentliche Bauaufträge manipuliert wurden.
Festnahmen im ganzen Land
Im Rahmen der koordinierten Aktion, die sich über mehrere Regionen erstreckte, nahmen die Ermittler insgesamt sechs Personen fest. Die Festnahmen erfolgten in Madrid, Córdoba, Valencia und Sevilla. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen wurden die Verdächtigen jedoch im Laufe des Tages wieder auf freien Fuß gesetzt.
Unter den Festgenommenen befinden sich Cristian Corvillo, der einst als Fahrer für Pedro Sánchez während des innerparteilichen Wahlkampfs um den PSOE-Vorsitz im Jahr 2017 arbeitete, sowie sein Bruder Rubén. Ebenfalls ins Visier der Ermittler gerieten mehrere Geschäftsleute und Andrea de la Torre, eine Frau aus dem Umfeld des Ex-Ministers Ábalos.
Verbindungen zu Bauaufträgen
Der neue Ermittlungsstrang ist eine direkte Folge eines Berichts der UCO, der dem Untersuchungsrichter vorliegt. Der Fokus liegt auf mutmaßlichen Manipulationen bei der Vergabe öffentlicher Bauprojekte. Die Ermittler vermuten, dass das Netzwerk um den früheren PSOE-Organisationssekretär Santos Cerdán über Jahre hinweg Einfluss auf die Auftragsvergabe von Adif und der Generaldirektion für Straßen genommen hat. Begünstigte Firmen sollen unter anderem Acciona, Levantina Ingeniería und Obras Públicas y Regadíos gewesen sein. Cerdán soll über seine Firma Servinabar 2000 SL, an der sein Geschäftspartner Joseba Antxon Alonso beteiligt war, Zahlungen von diesen Unternehmen erhalten haben.
Acciona Construcción hat bereits eingeräumt, zwischenzeitlich 6,8 Millionen Euro an Servinabar überwiesen zu haben. Diese Zahlungen sollen mit dem Regierungsantritt von Pedro Sánchez 2018 sprunghaft angestiegen sein und ihren Höhepunkt im Jahr 2020 erreicht haben. Laut den Ermittlungsakten soll Cerdán einen Teil dieser Gelder – mutmaßlich als Provisionen – an Ábalos und dessen engen Vertrauten Koldo García weitergereicht haben. Die Guardia Civil stützt sich dabei auf heimlich aufgezeichnete Gespräche, die ein früherer Berater von Ábalos gesichert hatte.
Frühere Verwicklung
Die Brüder Corvillo tauchten bereits in früheren Ermittlungsakten auf. Gegenstand war damals der Erwerb eines Anwesens in La Alcaidesa in der Provinz Cádiz, das Ábalos als Gegenleistung für Gefälligkeiten gedient haben soll. Die Rolle von Cristian Corvillo soll dabei in der Vermittlung bestanden haben. Die örtliche PSOE in Córdoba, wo Corvillo gemeldet ist, betonte, man habe von der Festnahme erst über die Presse erfahren; er sei ein einfaches Parteimitglied ohne Führungsposition.
Die Ausweitung des Verfahrens erhöht den Druck auf die Beteiligten erheblich. Derzeit laufen bereits mehrere Untersuchungen zu Maskengeschäften während der Pandemie, zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei Adif sowie zur mutmaßlichen Parteienfinanzierung. Mit der neuen, vierten Linie versucht die Justiz nun, die Verstrickungen rund um die Bauaufträge vollständig aufzuarbeiten. Der frühere Minister Ábalos bestreitet die Vorwürfe. Wie die Zeitung El País berichtet, sieht sich das Ermittlungsverfahren mit einer zunehmend komplexen Beweislage konfrontiert.
Quelle: 20minutos.es