El Hierro: Klinik meldet Kollaps-Zustand

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

El Hierro: Klinik meldet Kollaps-Zustand

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Notstand im Krankenhaus

Die Situation im Krankenhaus Virgen de Los Reyes auf der Kanareninsel El Hierro hat sich dramatisch zugespitzt. Wie die Klinikleitung am Freitag bestätigte, ist der Betrieb angesichts des unverminderten Zustroms von Migranten per Boot faktisch zum Erliegen gekommen. Innerhalb der ersten fünf Novembertage seien rund 3.200 Menschen auf der Insel angekommen, was die medizinische Infrastruktur an ihre absolute Belastungsgrenze bringe.

"Wir sind völlig überlastet", schilderte die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Jessica Acosta, in einem Interview mit dem Fernsehsender Televisión Canaria. Sämtliche Betten seien belegt. Angesichts der hohen Zahlen bestehe die ständige Sorge, dass ein weiteres Boot mit schwer verletzten oder kranken Menschen eintreffen könnte, für die dann keine ausreichende Versorgung mehr gewährleistet wäre.

Belegung auf Rekordniveau

Aktuell befinden sich laut Acosta 15 Migranten in stationärer Behandlung – das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Krankenhausbetten. Um die Lage abzufedern, wurde der bislang als Vortragssaal genutzte Raum im Gebäude kurzerhand zur Notaufnahme umfunktioniert. Auf diese Weise konnten zehn zusätzliche Betten geschaffen werden.

Doch nicht nur das Krankenhaus selbst stößt an seine Grenzen. Auch die Behörden vor Ort sind überfordert. Wie die Klinikchefin weiter ausführt, seien sowohl die Nationalpolizei als auch die Hafenbehörde und das Rote Kreuz mit der aktuellen Lage überlastet. Dies habe zur Folge, dass eigentlich entlassungsfähige Patienten – etwa jene, die nur noch auf ihre Ausreisedokumente warten – nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden können, weil die Weiterbetreuung außerhalb der Klinik nicht sichergestellt ist.

Personal fehlt, Appelle an die Politik

Bis dato müssen die Mitarbeiter nach Angaben der Krankenhausleitung zwar noch keine zusätzlichen Schichten übernehmen. Doch Acosta warnt eindringlich davor, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein werde. "Wenn es in diesem Tempo weitergeht", so die Geschäftsführerin, werde das Personal nicht mehr ausreichen. Sie fordert deshalb sowohl von der spanischen Regierung als auch von der Europäischen Union, die Verantwortung für die medizinische Erstversorgung der Ankommenden zu übernehmen. Die Kapazität des Krankenhauses sei begrenzt, die Aufgabe nicht zu bewältigen.

Konkret schlägt sie die Errichtung eines provisorischen Feldlazaretts direkt im Hafen von La Restinga vor. Dies würde verhindern, dass die ohnehin knappen Rettungskräfte zwischen dem Hafen und den Behandlungsräumen hin- und herpendeln müssen. Bislang ist die medizinische Betreuung an den Anlegestellen und im Aufnahmezentrum von San Andrés Aufgabe des Gesundheitsdienstes der Kanarischen Inseln, der dort ein sogenanntes "Patera-Team" aus Ärzten und Pflegekräften stationiert hat.

Die häufigsten Beschwerden unter den Neuankömmlingen sind demnach sogenannte "Patera-Füße" – Haut- und Weichteilschäden durch die stundenlange Fahrt auf den überfüllten Booten. Doch selbst für einfache Wundversorgungen sei das Krankenhauspersonal benötigt, erklärt Acosta.

Grundversorgung der Inselbevölkerung gesichert – vorerst

Die Krankenhauschefin betont zwar, dass die reguläre medizinische Versorgung der Inselbevölkerung bislang nicht beeinträchtigt sei. Man gleiche den Mehraufwand durch eine Aufstockung der Dienste und zusätzliche Anstrengungen der Belegschaft aus. Allerdings sei fraglich, wie lange dieses Niveau durchgehalten werden könne. "Wir werden diesen Rhythmus nicht dauerhaft durchhalten können", warnt Acosta mit Blick auf die kommenden Wochen.

Bereits im Oktober waren bei einem einzigen Bootsankunft vor La Restinga rund 230 Menschen an Land gegangen, was als Vorbote der aktuellen Krise gilt. Die Behörden rechnen angesichts der Wetterlage und der politischen Entwicklungen in Westafrika mit einer anhaltend hohen Zahl an Bootsankünften auf den westlichsten Kanareninseln.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die Lage damit ein Gradmesser für die Belastbarkeit der europäischen Außengrenze – und die Frage, wie solidarisch die Verteilung der Verantwortung innerhalb der EU tatsächlich ist.


Quelle: europapress.es

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