Kanaren fordern Europas sofortiges Eingreifen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kanarische Inseln

Kanaren fordern Europas sofortiges Eingreifen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Hilferuf mit Sprengkraft

Die Geduld der Kanaren ist am Ende. Während die EU in Brüssel über Migrationspolitik debattiert, kämpfen die Inseln im Atlantik längst im Krisenmodus. Nun eskaliert Fernando Clavijo den Konflikt: Der Präsident der Kanarischen Inseln hat einen dramatischen Brief an EU-Migrationskommissar Magnus Brunner geschickt. Die Botschaft ist unmissverständlich – Brüssel muss sofort handeln, nicht morgen, sondern jetzt.

Die Realität kennt keine Geduld

Während sich Politiker in Sonntagsreden ergehen, zeichnet sich an der Küste Afrikas eine neue Katastrophe ab. Clavijo warnt eindringlich vor einem Wiederaufleben der Abfahrten, insbesondere aus Senegal und Gambia. Neue Routen entstehen, alte werden reaktiviert. Besonders El Hierro, die kleinste der bewohnten Inseln, ächzt unter dem Ansturm. Die dortigen Erstaufnahmeeinrichtungen sind überlastet, die öffentlichen Dienste stehen vor dem Kollaps.

Clavijo lässt dabei keinen Zweifel an seiner Position: Es darf nicht länger nur darum gehen, die Scherben einzusammeln, wenn die Schlauchboote bereits die Küste erreicht haben. "Wir können nicht nur die Konsequenzen verwalten", so der Präsident. Ein fatales Signal, das Brüssel bisher ignoriert.

Fünf Forderungen als Weckruf

Der Kanaren-Chef legt den Finger in die Wunde und präsentiert einen Fünf-Punkte-Plan, der es in sich hat. Erstens: eine sofortige Bestandsaufnahme der Lage und des außergewöhnlichen Bedarfs der Inseln. Zweitens: der konsequente Einsatz aller Solidaritätsmechanismen, die der EU-Migrationspakt ohnehin vorsieht. Drittens: eine massiv verstärkte Kooperation mit den Herkunfts- und Transitländern – von Marokko bis Gambia. Viertens: die Aktivierung aller EU-Agenturen für Grenzschutz und Asyl. Und fünftens: ein Stimmrecht für die Kanaren, wenn es um die Umsetzung geht.

Dieser Vorstoß ist ein politischer Paukenschlag. Clavijo fordert nicht weniger als eine komplette Kehrtwende in der europäischen Migrationspolitik. Die Botschaft an Brüssel: Die Kanaren sind die Außengrenze Europas – und ihr Schicksal darf nicht länger allein Sache Madrids sein.

Ein Test für die Glaubwürdigkeit Europas

Clavijo spricht Klartext: „Die Glaubwürdigkeit des neuen Migrationspakts entscheidet sich auch auf den Kanaren." Solidarität dürfe kein theoretisches Konstrukt bleiben, sondern müsse in der Praxis greifen – gerade dann, wenn ein EU-Außenposten in Ausnahmezustand gerät. Der Präsident fordert „Antizipation und Koordination", bevor die Lage vollends eskaliert.

Der Hilferuf kommt nicht isoliert. Auf der XXX. Konferenz der Regionen in äußerster Randlage (RUP) in Guadeloupe haben sich alle neun Regionen hinter diese Position gestellt. Ihre Kernforderung: Migrationsdruck darf nicht länger als reines Randthema behandelt werden, das man den Kommunen vor Ort überlässt. Die Deklaration von Guadeloupe verlangt handfeste Konsequenzen – von mehr Kohäsionsgeldern bis zur Einbindung in einen europäischen Notfallmechanismus für Außengrenzen.

Wer trägt die Verantwortung?

Die Lage ist ein Lackmustest für die europäische Solidarität. Die Inseln sind keine Bittsteller, sondern die erste Verteidigungslinie – und sie verlangen, dass dies endlich anerkannt wird. Wie Europa Press berichtet, hat Clavijo auch Madrid eindringlich um Verstärkung der Sicherheitskräfte auf El Hierro gebeten. Die Frage ist nun, ob Europa bereit ist, über Worte hinauszugehen und zu handeln – oder ob es die Kanaren weiter im Stich lässt.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Kanarische Inseln & El Hierro & Spanien