
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Prozess um verschwundene Dana Leonte beginnt
Auftakt nach sechs Jahren
In Málaga hat am Dienstag ein Schwurgerichtsverfahren begonnen, das einen der grausamsten Kriminalfälle der jüngeren Vergangenheit in der Region beleuchtet. Angeklagt ist der ehemalige Lebensgefährte der Rumänin Dana Leonte. Ihm wird vorgeworfen, die junge Frau im Juni 2019 in ihrem gemeinsamen Haus in Arenas (Provinz Málaga) getötet und ihre sterblichen Überreste anschließend an verschiedenen Orten in der Axarquía beseitigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von 17 Jahren, die Nebenklage plädiert auf Mord und verlangt 20 Jahre Haft.
Ein Tag, der alles veränderte
Laut Anklageschrift, die der Nachrichtenagentur Europa Press vorliegt, eskalierte die Situation am 12. Juni 2019. An diesem Tag teilte Dana Leonte ihrem Partner telefonisch mit, dass sie die Beziehung beenden wolle. In der Nacht soll der Mann sie daraufhin im gemeinsamen Haushalt mit einem Holzstück am Kopf schwer verletzt haben. Die Anklage geht davon aus, dass die Frau bewusstlos oder schwer verwundet war, als der Beschuldigte sie in den Kofferraum seines Autos lud.
Spurenverwischung und inszenierte Unschuld
Die Ermittler werfen dem Angeklagten vor, den Leichnam anschließend zerteilt und die Körperteile in der Umgebung vergraben oder verstreut zu haben. Dabei habe er sich seine genaue Ortskenntnis zunutze gemacht. Um eine Tatbeteiligung zu verschleiern, habe er das Haus mit Bleichmittel und Terpentin gereinigt und mit dem Mobiltelefon des Opfers Nachrichten versendet, um den Eindruck zu erwecken, sie sei unversehrt.
Ermittlungen und Funde
Nach dem Verschwinden von Dana Leonte durchsuchten Einsatzkräfte wochenlang die Region. Die ersten menschlichen Überreste wurden am 21. Juni 2019 entdeckt. Weitere Teile tauchten im Oktober und November desselben Jahres auf. Der damalige Freund wurde im September 2019 festgenommen. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft, wurde jedoch zwischenzeitlich unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Unterschiedliche Bewertungen der Tat
Staatsanwaltschaft und Nebenklage sehen den Fall unterschiedlich: Während die Anklage von Totschlag ausgeht, stuft die Nebenklage die Tat als Mord ein. Sie argumentiert, der Mann habe seine damalige Partnerin vorsätzlich getötet, sie zerstückelt und ihre Spuren beseitigt. Beide Seiten machen zudem geschlechtsspezifische Diskriminierung und ein verwandtschaftliches Verhältnis als strafverschärfende Faktoren geltend. Die Verteidigung weist sämtliche Vorwürfe zurück und fordert einen Freispruch.
Vorgeschichte mit Gewaltvorwürfen
Der Fall hat eine Vorgeschichte: Die getötete Frau hatte den Mann zuvor wegen eines Vorfalls häuslicher Gewalt angezeigt. Das Verfahren endete jedoch mit einem Freispruch. Der Prozess ist auf mindestens neun Verhandlungstage bis zum 13. November angesetzt. Neben dem Angeklagten werden mehr als 15 Zeugen und 21 Beamte der Guardia Civil gehört, außerdem Sachverständige und Rechtsmediziner. Die gemeinsame Tochter des Paares lebt inzwischen beim Bruder des Opfers. Die Anklage fordert den Entzug des Sorgerechts und Schadenersatzzahlungen in Höhe von 300.000 Euro für das Kind sowie 100.000 Euro für den Bruder.
Wie Europa Press berichtet, wird der Prozess landesweit mit großem Interesse verfolgt. Das Verfahren könnte richtungsweisend für die juristische Bewertung von Femiziden in Spanien sein.
Quelle: europapress.es