Prozess um Teenager-Missbrauch in Palma

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Prozess um Teenager-Missbrauch in Palma

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Die Tat und ihre Umstände

Am Freitag kam es vor der Audiencia Provincial zu einem belastenden Schlagabtausch: Eine junge Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Mann, der sie im Oktober 2021 in den Toiletten eines Einkaufszentrums in Palma sexuell missbraucht haben soll. Die heute Volljährige war damals gerade einmal 14 Jahre alt, der Angeklagte bereits 25. Der Fall wirft nicht nur Fragen nach der Tat selbst auf, sondern auch nach der skrupellosen Auswahl des Tatorts durch den Beschuldigten.

Die Begegnung begann harmlos über soziale Medien, das erste Treffen wurde auf der Plaça d'Espanya vereinbart – angeblich wusste der Mann genau, wie jung sein Gegenüber war. Was folgte, schildert die junge Frau am Freitag vor Gericht mit erschütternder Deutlichkeit: Sie habe sich anfangs klar gegen sexuelle Handlungen ausgesprochen, sei von dem Mann jedoch mit physischer Gewalt in die Sanitäranlagen eines nahegelegenen Einkaufszentrums gezerrt worden. "Er packte mich mit Gewalt an der Hand und am Gesicht", sagte sie aus. Er habe sie gezwungen, ihn zu masturbieren und Oralverkehr durchzuführen – ein Szenario, das jede Vorstellung von jugendlicher Naivität und Vertrauen brutal konterkariert.

Verteidigung versucht, die Opferrolle umzudeuten

So klar die Anklage klingt, so dreist fällt die Linie des Angeklagten aus. Er räumt die Begegnung zwar ein, spricht aber von "einvernehmlichen Handlungen" – eine Aussage, die angesichts des Altersunterschieds von elf Jahren und der Schutzbedürftigkeit einer 14-Jährigen zynisch wirkt. Der Verteidiger versuchte zudem, die Glaubwürdigkeit der jungen Frau zu untergraben, indem er betonte, sie habe bei der Polizei und in der Ermittlungsakte nie von Zwang gesprochen. Eine Taktik, die in Verfahren um sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige erschreckend häufig zum Einsatz kommt: das Verschieben der Verantwortung auf das Opfer.

Der Beschuldigte selbst zeigt sich reuig – zumindest vordergründig. Er betont, er habe um das Alter des Mädchens gewusst und sei "sehr zerknirscht". Wirklich überzeugend ist das nicht. Wenn er wusste, dass er eine 14-Jährige traf, stellt sich die Frage, warum er sie überhaupt zu einem Treffen überredete und dann in ein öffentliches WC drängte.

Das Urteil könnte Signalwirkung haben

Die Staatsanwaltschaft will den Fall nicht auf sich beruhen lassen und fordert eine Haftstrafe von zehn Jahren – ein deutliches Signal, dass Minderjährigenschutz vor sexueller Gewalt ernst genommen werden muss. Allerdings bringt das Ministerio Público ein Detail ins Spiel, das aufhorchen lässt: eine "milde psychische Veränderung" des Angeklagten. Depressive Episoden und Verhaltensstörungen sollen seine Willenskraft zum Tatzeitpunkt "leicht beeinträchtigt" haben. Das mag strafmildernd wirken – die Frage ist nur, ob eine solche Diagnose die Verantwortung für eine derart massive Grenzüberschreitung wirklich relativieren darf. Depressionen sind keine Rechtfertigung für sexuellen Missbrauch.

Neben der Haftstrafe fordert die Anklage zudem 10.000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer. Es wäre ein fadenscheiniger Trost, aber immerhin ein Eingeständnis des erlittenen Unrechts – und ein Zeichen, dass die Justiz die Tat nicht als Kavaliersdelikt abtut. Das Urteil könnte richtungsweisend sein: für künftige Fälle, in denen sich Minderjährige in digitalen Räumen verlieren und im realen Leben in Hinterhalte tappen. Die Gesellschaft sollte genau hinschauen, wie das Gericht mit dieser Konstellation umgeht – die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats hängt auch von solchen Entscheidungen ab.

Wie die spanische Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wird das Urteil in den kommenden Wochen erwartet.


Quelle: europapress.es

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