Führerschein-Chaos: Über 85.000 warten auf die Prüfung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Führerschein-Chaos: Über 85.000 warten auf die Prüfung

von Redaktion

Die Straßen leer zu bekommen, ist für Fahrschüler in Katalonien derzeit deutlich einfacher, als einen Termin für die praktische Führerscheinprüfung zu ergattern. Aktell stehen über 85.000 Menschen auf der Warteliste, wie die Federació d’Autoescoles de Catalunya (FAC) mitteilt. Das sind fast 5.000 mehr als noch vor fünf Jahren – ein Zustand, den FAC-Präsident Raül Viladrich als “kollabiert” beschreibt.

Ein System unter Druck

Das Problem ist nicht neu, sondern zieht sich seit 2013 durch die Verwaltung. Seit 2021 mussten bereits 11 Prozent der katalanischen Fahrschulen für immer die Tore schließen, wie aus den Verbandsangaben hervorgeht. Die Hauptursache für den Stillstand liegt auf der Hand: Es gibt zu wenige Prüfer beim staatlichen Verkehrsamt. “Früher war der Führerschein ein agiler, schneller Prozess”, berichtet Dèlia Llamas, Direktorin der Fahrschule “En Marxa”. “Heute können wir das nicht mehr. Die öffentliche Verwaltung muss die Prüfungen abnehmen und schafft es aus verschiedenen Gründen nicht.” Die Folge sind monatelange Wartezeiten, unabhängig von der Fahrerlaubnisklasse.

Warum die Prüfer fehlen

Die Personaldecke ist dünn. Wie Viladich erklärt, schrieb die Dirección General de Tráfico (DGT) im vergangenen Jahr zwar 44 Prüferstellen für Katalonien aus, konnte aber nur 15 davon besetzen – eine Quote von lediglich 34 Prozent. Ein Grund sei das Fehlen einer ausgeprägten “Kultur” für diese Art von Beamtenstellen. Viele Bewerber scheuten zudem die Angst, nach Bestehen der Prüfung in andere Regionen Spaniens versetzt zu werden. Gleichzeitig nutzten viele der Prüfer, die bereits in Katalonien arbeiten, interne Versetzungswettbewerbe, um schnell wieder in ihre Heimatregionen zurückzukehren.

Vom Statussymbol zum Muss

Die langen Listen sind nicht das Einzige, was sich gewandelt hat. Auch die Motivation, den Führerschein zu machen, hat sich laut Llamas verändert: “Vor Jahren traf man auf Leute, die unbedingt 18 werden wollten, um den Schein zu machen und die Unabhängigkeit des eigenen Autos zu genießen. Heute ist ein solches Profil seltsam.” Statt aus Freiheitsdrang werde der Führerschein heute oft aus rein praktischer Notwendigkeit erworben – für das Studium, den Arbeitsweg oder weil er in vielen Stellenausschreibungen vorausgesetzt wird. Entsprechend steige auch der Anteil älterer Fahrschüler.

Die psychologische Hürde

Neben der Bürokratie bleibt die Nervosität eine der größten Herausforderungen für Fahrschüler. “Das ist ein Faktor, der das Lernen deutlich erschweren kann”, bestätigt Fahrlehrerin Irene Camps. In ihrer Rolle müssten die Ausbilder oft auch als Psychologen fungieren, um den Schülern Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. “Je entspannter sie sind, desto schneller lernen sie.” Aktuell braucht ein Schüler in der Regel etwa 30 Fahrstunden, bis er prüfungsreif ist. Die tatsächliche Zahl hänge stark vom Einzelnen ab – und natürlich davon, ob die Warteliste es überhaupt zulässt, die Prüfung zeitnah abzulegen, sobald man bereit ist. Für Tausende in Katalonien ist das vorerst eine ferne Hoffnung.

Quelle: Angaben der Federació d’Autoescoles de Catalunya (FAC) und Gespräche mit Fahrschulvertretern.

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