Europas Zughersteller unter Druck

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brussel

Europas Zughersteller unter Druck

von Clara Weber

Minister warnt vor Wettbewerbsnachteil

Verkehrsminister Óscar Puente hat in Brüssel ein drängendes Problem der europäischen Industrie auf den Tisch gebracht: Die Zughersteller des Kontinents kommen mit der Produktion und Zulassung neuer Fahrzeuge nicht hinterher. Dies führe zu flächendeckenden Lieferverzögerungen in der gesamten EU und schwäche die Wettbewerbsposition gegenüber China erheblich. Diese Warnung richtete er am Dienstag direkt an den EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas.

Wie aus seinem Umfeld verlautete, betonte Puente die "reale Besorgnis" über die Branche und die "enormen Verzögerungen" bei der Auslieferung neuer Züge. Diese seien in praktisch jedem EU-Land ein Problem – auch in Spanien. Dort warten die Nahverkehrsnetze in Kantabrien und Asturien seit Jahren auf bestellte Talgo-Züge, während sich auch bei der Erneuerung der Flotten für Madrid und Katalonien die Verzögerungen stapeln.

Chinesische Konkurrenz als „Weckruf“

Ausdrücklich verband Puente seine Forderung nach schnelleren Prozessen mit der globalen Wettbewerbssituation. „Während China viel schneller Züge baut, ausliefert und in Betrieb nimmt, braucht die europäische Industrie viel zu lange – sowohl in der Fertigung als auch bei der Zertifizierung und Inbetriebnahme“, so der Minister. Sein Appell: Die EU müsse sich auf möglichst kurze Fristen einigen, um wettbewerbsfähiger zu bleiben, auch in puncto Preis und Qualität.

Sein eigenes Erweckungserlebnis hatte Puente bei einem Besuch beim weltgrößten Zughersteller in China im Dezember. Er zeigte sich beeindruckt von der technischen Qualität und einer Produktionskapazität, die einen Zug alle 60 Tage ermöglicht. Dieser Kontrast zum europäischen Tempo wirft grundsätzliche Fragen auf.

Ribera und das Thema staatliche Beihilfen

Ein weiteres kritisches Gespräch führte Puente am Mittwoch mit der für Wettbewerb zuständigen Vizepräsidentin der EU-Kommission, Teresa Ribera. Hier geht es um zwei zentrale Aspekte, die die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen direkt betreffen.

Erstens werden europäische Giganten wie Siemens, CAF, Alstom, Talgo oder Stadler aufgrund ausgelasteter Kapazitäten und langwieriger Zulassungsverfahren regelmäßig ihre vertraglichen Lieferfristen. Oft bleiben diese Verzögerungen jedoch ohne finanzielle Konsequenzen. Das spanische Verkehrsministerium und die staatliche Bahngesellschaft Renfe versuchen nun, mit milliardenschweren Vertragsstrafen in neuen Ausschreibungen gegenzusteuern.

Zweitens ist Ribera zuständig für die Anwendung von EU-Regeln gegen unfaire staatliche Beihilfen. Diese sollen verhindern, dass mit massiver staatlicher Unterstützung – wie sie etwa die China Railway Construction Corporation erhält – produzierte Güter den europäischen Markt überschwemmen. Puente brachte das Dilemma auf den Punkt: „Die chinesischen Hersteller liefern Züge zum halben Preis in sechs Monaten bis zwei Jahren, während die europäische Industrie sie in 60 Monaten anbietet. Ich bin ein Politiker, der Käufer, und ich habe keine 60 Monate.“

Vision eines „Eisenbahn-Airbus“

Als mögliche langfristige Lösung für die europäische Industrie hat Puente eine Idee aus der Luftfahrt adaptiert: die Schaffung eines „Airbus für die Schiene“. Ein solcher Konsortium mehrerer EU-Länder könnte einen starken, europäischen Zughersteller formen, der ähnlich wie Airbus im Flugzeugbau global konkurrenzfähig agiert.

„Es geht darum, in Richtung des Airbus-Modells zu gehen, mit dem es gelang, die Luftfahrtindustrie zu retten“, erklärte der Minister vor einigen Monaten. Ob diese Vision angesichts der aktuellen Produktionskrise neuen Schwung erhält, wird sich zeigen. Der unmittelbare Fokus bleibt jedoch auf der Beschleunigung der bestehenden Prozesse, bevor weitere Marktanteile an die Konkurrenz aus Fernost verloren gehen.


Quelle: 20minutos.es