
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ceuta: Neue Aufrufe zum 15. August
Die spanischen Sicherheitsbehörden warnen erneut vor einer möglichen Massenmobilisierung an der Grenze zu Ceuta. Nach den Ereignissen vom 30. und 31. Juli, bei denen mehr als 70.000 Menschen in die spanische Nordafrika-Enklave gelangten, hat der Geheimdienst CNI die aktuellen Aufrufe in sozialen Netzwerken als glaubwürdig eingestuft. Wie die Zeitung 20 Minutos berichtet, kursieren in Marokko erneut Botschaften, die für den 15. August zu Grenzübertritten aufrufen.
Ein Datum, viele Signale
Die Botschaft „Wir sehen uns dort am 15. August“ wird in Facebook-Gruppen, auf Instagram, TikTok und WhatsApp verbreitet. Unter Schlagwörtern wie „15/08“ oder „al-hajma“ – arabisch für „die Offensive“ – rufen Nutzer dazu auf, sich an der Grenze zwischen Fnideq und Ceuta zu versammeln. Innen- und Verteidigungsministerium halten deshalb ein massives Aufgebot in der Stadt bereit: rund 880 Nationalpolizisten, 714 Guardia-Civil-Beamte, 225 Bereitschaftspolizisten und 2.000 Soldaten.
In den Beiträgen ist von der „letzten Chance“ die Rede, von einem Termin, an dem „alles sichtbar werde“. Die Wahl des Datums ist auffällig: Während der 30. Juli in Marokko als Throntag begangen wird, ist der 15. August sowohl in Marokko als auch in Spanien ein gesetzlicher Feiertag. Einige Gruppen hatten offenbar erwogen, den Termin auf den 8. August vorzuziehen, weil der Andrang am 15. angeblich zu groß werde.
Organisiert, nicht spontan
Die Auswertung der Online-Aktivitäten spricht für eine koordinierte Kampagne. Golden Owl, ein in Alicante ansässiges Unternehmen, das künstliche Intelligenz zur Analyse sozialer Netzwerke einsetzt, hatte die Entwicklung öffentlich gemacht. Die Untersuchung von mehr als 5.000 Konten ergab, dass die Aktion vom 30. Juli nicht spontan entstand, sondern von einer eigenen „Marke“ gesteuert wurde. Mindestens 25 Facebook-Accounts aus Ländern des Mittelmeerraums hätten unter dem Namen „Asalto Karyaj a Ceuta“ zwischen dem 24. und 31. Juli immer wieder zum Grenzübertritt aufgerufen.
„Es gibt keine einzelne Person, keine Gruppe, keinen Anführer“, sagte Marga Herrero von Golden Owl. Es handle sich um eine „perfekt orchestrierte Kampagne“, die keineswegs spontan sei. Die Beobachtung der Plattformen zeigt ein Muster: Facebook dient der Ankündigung, Instagram der Verbreitung, WhatsApp der Organisation. Auch die Plattform Maldita und die Zeitung eldiario.es haben entsprechende Strukturen dokumentiert.
Vorsicht vor falschen Profilen
In den vergangenen zwei Wochen wurden Dutzende Facebook- und WhatsApp-Gruppen mit zusammen mindestens 400.000 Mitgliedern identifiziert. Die Behörden nehmen die Lage ernst. „Nach dem, was passiert ist, macht uns diese Gerüchteküche Sorgen“, sagte Alejandro Ramírez, Sprecher der Stadtverwaltung Ceuta. Die Guardia Civil veröffentlichte auf Instagram eine Warnung: „Die Grenze zu Spanien ist geschlossen und wird nicht geöffnet. Es wurden neue Sicherheitsbarrieren installiert. Wenn du sie überquerst, wirst du zurückgeschickt. Lass dich nicht täuschen.“ In einer weiteren Botschaft hieß es: „Alles, was sie versprechen, ist eine Lüge. Wenn du dich ins Meer stürzt, wirst du wahrscheinlich sterben. Und wenn du hinüberkommst, wirst du zurückgeschickt.“
Das Innenministerium bestreitet nicht, dass ein erneuter Ansturm möglich ist. Man werde vorbereitet sein. Bei der Guardia Civil heißt es, es sei „mehr als ein Gerücht“: Die Aufrufe seien real, Fnideq – im Spanischen auch Castillejos genannt – werde als Treffpunkt genannt. In den Gruppen wird über Routen, Logistik und die Lage am Grenzübergang Tarajal diskutiert. In einem Audio fragt ein Nutzer, wie lang das Netz unter der schwimmenden Barriere sei, die Spanien am Wellenbrecher installiert habe. Ein anderer stellt klar, dass die Barriere nicht unter Strom stehe.
Auffällig ist, dass viele Profile, die zu den Erstaufrufen beitragen, offenbar künstlich sind. Beobachter sprechen von Astroturfing, also einer Technik, bei der eine scheinbare Basisbewegung durch künstliche Verstärkung erzeugt wird. Zahlreiche Accounts wurden erst im Juli oder August angelegt, haben kaum Follower, teils keine echten Biografien und posten ausschließlich zu Ceuta und dem 15. August. Die Situation erinnert an den Sommer 2024, als soziale Netzwerke ebenfalls genutzt wurden, um zu kollektiven Grenzübertritten aufzurufen.
Ob die Mobilisierung tatsächlich stattfindet, bleibt abzuwarten. Die spanischen Behörden rechnen mit dem Ernstfall.
Quelle: 20minutos.es
Quelle: 20minutos.es