
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wiederaufbau im Zeitplan – Ein Modell für andere?
Der Ton aus der valencianischen Regionalregierung ist selbstbewusst, fast triumphierend. In wenigen Wochen, so verkündet Kommissar Raúl Mérida, werde der Wiederaufbau aller kommunalen Infrastrukturen abgeschlossen sein, die bei der katastrophalen DANA vom Oktober 2024 beschädigt wurden. Eine erste, schnelle Phase der Krisenbewältigung geht damit zu Ende. Die Botschaft ist klar: Hier wird nicht nur repariert, hier wird ein Plan abgearbeitet. Und dieser Plan, das „Endavant“-Programm, liege bereits zu über 60 Prozent vor, wie Mérida vor dem Umweltausschuss des Regionalparlaments darlegte.
Doch dieser Fortschrittsbericht ist mehr als eine Bestandsaufnahme. Er ist eine politische Kampfansage. Mérida nutzt die Plattform geschickt, um den eigenen Elan dem vermeintlichen Trägheitsmoment der Madrider Zentralregierung gegenüberzustellen. Sein Vorwurf ist scharf und konkret: Während man auf regionaler und kommunaler Ebene „in gutem Tempo“ gearbeitet habe, habe die Regierung 477 Tage gebraucht, um eine notwendige gemischte Kommission für die DANA-Folgen einzuberufen. Zum Vergleich: Beim Vulkanausbruch auf La Palma sei diese in neun Tagen eingerichtet worden. Diese Zahl ist kein Detail, sie ist der Beleg für eine These: Das Krisenmanagement des Staates ist von bürokratischer Schwerfälligkeit geprägt, die den Betroffenen zusätzlich schadet.
Grüne Infrastruktur als neues Paradigma
Die zweite Phase des Wiederaufbaus, die nun beginnt, soll nach den Worten des Kommissars über die reine Reparatur hinausgehen. Der Fokus liegt auf „grüner“ Resilienz. Priorität hat die Planung der ersten Abschnitte metropolitaner Überflutungsparks in den Einzugsgebieten des Turia und des Barranco del Poyo. Diese Projekte – wie der Paiporta-Alfafar- und der València-Quart de Poblet-Korridor – zielen darauf ab, durch gezielte Rückhalteflächen zukünftige Überschwemmungen abzumildern. Es ist der Versuch, aus der Katastrophe eine nachhaltige Stadtentwicklung abzuleiten, die ökologischen Nutzen mit Schutzfunktion verbindet.
Mérida stellt diesen Ansatz als überlegen dar, sogar im europäischen Vergleich. Er berichtet von einem Besuch in Deutschland, wo eine Flutkatastrophe 2021 ähnliche Verwüstung anrichtete. „Unsere Situation ist viel besser als ihre“, zitiert die Nachrichtenagentur Europa Press den Kommissar selbstbewusst. Diese Darstellung dient nicht nur der Imagepflege, sondern unterfüttert das Narrativ der effizienten, vorausschauenden Regionalregierung.
Der fundamentale Systemfehler
Die eigentliche Pointe seiner Kritik zielt jedoch auf ein grundsätzliches Defizit ab. Mérida fordert eine nationale Katastrophenschutzgesetzgebung, die schnelle Vergabeverfahren ermöglicht, die nicht nur den status quo ante wiederherstellen, sondern „besser wiederaufbauen“. Vor allem aber müsse ein solches Gesetz die Einrichtung einer intergouvernementalen Kommission innerhalb von 24 Stunden nach einer Katastrophe vorschreiben. Das ist ein fundamentaler Systemkritikpunkt: Die aktuelle Rechtslage institutionalisiere Verzögerung, wo doch Geschwindigkeit über alles entscheide.
Die oppositionelle Volkspartei (PP) im Regionalparlament unterstützt diese Linie und attackiert die spanische Regierung ebenfalls wegen der verspäteten Einsetzung der Kommission. Die politischen Fronten sind klar: Während die regionale Exekutive, unabhängig von ihrer parteipolitischen Farbe, sich als handlungsfähiger Macher präsentiert, erscheint die Zentralregierung als Bremsklotz.
Fazit: Ein Sieg mit bitterem Beigeschmack
Die Valencianische Gemeinschaft steht nach der DANA tatsächlich vergleichsweise gut da. Die Infrastruktur wird repariert, innovative Schutzprojekte werden vorangetrieben. Doch der Erfolg des regionalen „Endavant“-Plans wirft ein grelles Licht auf das strukturelle „Halt“ des zentralstaatlichen Apparats. Méridas Bilanz ist somit eine zwiespältige: Man kann stolz auf die eigene Leistung sein, muss aber wütend auf ein System bleiben, das diese Leistung unnötig erschwert. Die Wiederherstellung von Brücken und Straßen mag bald abgeschlossen sein. Die Reparatur des politischen Koordinierungsversagens steht noch aus.
Quellen: Die Aussagen von Kommissar Raúl Mérida sowie die Position der PP beruhen auf Berichten der Nachrichtenagentur Europa Press über die Sitzung des Umweltausschusses der Corts Valencianes am 27. April 2025.