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Stromnetz: Flexibilität gegen Engpässe
Wie das Stromnetz flexibler werden soll
Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in vollem Gange, doch die dafür nötige Infrastruktur hinkt hinterher. Die elektrischen Leitungen sind an vielen Stellen am Limit, nicht physisch, sondern administrativ. Viele alte Zusagen für Netzanschlüsse sind nie realisiert worden und blockieren Kapazität – ein Phänomen, das die spanische Regierung als "Akaparamiento" (Aneignung) bezeichnet. Während auf langfristige Investitionen in neue Trassen gewartet wird, setzen alle Beteiligten nun auf eine flexible Zwischenlösung.
Die Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia (CNMC) und die großen Stromverteilerunternehmen verhandeln aktuell über Regeln für einen flexibleren Zugang zum Netz. Ziel ist es, die vorhandene Kapazität besser auszulasten, indem sich mehrere große Verbraucher zeitlich abwechseln. Besonders profitieren sollen Energiespeicheranlagen und Industriebetriebe, die ihren Strombezug zu bestimmten Zeiten unterbrechen können.
Eine gemeinsame Linie für flexibles Netzmanagement
Die Positionen von Regulierern und Branche liegen gar nicht so weit auseinander. Das Ministerium für Ökologische Wende unterstreicht, dass die Netze oft nicht ausgelastet, sondern nur durch veraltete Verwaltungsregeln blockiert seien. Der Branchenverband Aelec sieht in der Flexibilität ebenfalls einen wichtigen Baustein, warnt aber davor, sie als Ersatz für notwendige Investitionen in die Netzinfrastruktur zu sehen. Digitalisierung und Versorgungssicherheit müssten weiter finanziert werden.
Trotz unterschiedlicher Akzente gab es kürzlich einen wichtigen Schritt nach vorn, wie aus Branchenkreisen zu hören ist. Eine gemeinsame Stellungnahme mehrerer Verbände – darunter Aelec und die Speicherverbände AEPIBAL und ASEALEN – zeigt eine weitgehende Übereinstimmung mit den Plänen der CNMC. Die Regelungen sollen dazu beitragen, die in den letzten Monaten veröffentlichten Netzengpässe kurzfristig zu entschärfen. Aktuell müssen die Netzbetreiber bereits etwa die Hälfte aller neuen Anschlussgesuche ablehnen, etwa von neuen Wohngebieten oder Fabrikerweiterungen.
Drei Wege zum flexiblen Strombezug
Derzeit konkretisieren sich drei Modelle für flexible Netzzugänge, die sich vor allem in den Garantien für die Versorgung unterscheiden.
Typ 0: Begrenzter Zugang nach Muster. Dieser Zugang ist auf ein vorab definiertes Nutzungsmuster in bestimmten Zeitfenstern beschränkt. Diese könnten regional unterschiedlich sein, da etwa die Zeit der Sonneneinstrahlung für Speicher in Valencia anders ist als in Galicien. Dieses Modell könnte für eine Fabrik interessant sein, die nicht rund um die Uhr produziert und nachts auf Strom verzichten kann.
Typ 1: Zugang mit Unterbrechungsvorbehalt. Der Verbraucher kann jederzeit Strom beziehen, verpflichtet sich aber, bei Netzengpässen oder zur Stabilisierung des Systems den Verbrauch zu reduzieren oder ganz einzustellen. Der Netzbetreiber darf in diesem Fall den Zugang kurzfristig kappen. Die Wiederaufnahme erfolgt, sobald die Netzsicherheit gewährleistet ist.
Typ 2: Gemischter Zugang mit Vorlauf. Dies gilt als die "echte" Flexibilität, benötigt aber noch gesetzliche Grundlagen und könnte erst bis 2028 umgesetzt werden. Dabei wird ein fester Grundbedarf garantiert, während eine zusätzliche flexible Kapazität jederzeit unterbrochen werden kann. Derzeit besteht die größte Diskussion um die Vorwarnzeit: Die Netzbetreiber wollen Entscheidungen "in weniger als 15 Minuten" treffen können, während die CNMC eine Ankündigung am Vortag ("D-1") oder nur in Ausnahmefällen in Echtzeit vorsieht.
Eine endgültige Verordnung für das flexible Netzmanagement wird noch ausgearbeitet. Optimistische Stimmen in der Branche rechnen damit, dass sie noch im Sommer vorliegen könnte. Bis dahin bleibt die Lage für viele neue Energieprojekte und Industrieansiedlungen angespannt.
Quelle: 20minutos.es