Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Lehrerstreik: Waffenstillstand mit offenen Flanken
Ein Teilerfolg, der niemanden befriedigt
Einen Monat lang legte das öffentliche Bildungssystem in Valencia lahm. Jetzt, nach einer langen Verhandlungsnacht, gibt es erste, zaghafte Unterschriften unter Teilabkommen. Die Regionalministerin für Bildung, Carmen Ortí, spricht von einem “wichtigen Tag” und betont, es handele sich um den “Anfang, nicht das Ende”. Eine klassische Beschwichtigungsformel, die jedoch kaum darüber hinwegtäuschen kann: Der Konflikt ist lediglich eingefroren, nicht gelöst. Die Unterzeichnung eines Papiers zur Bürokratieabbauung und eines weiteren zum Valencianisch-Unterricht – letzteres nur von einer Gewerkschaft akzeptiert – sind keine Triumphe, sondern Eingeständnisse einer zutiefst zerstrittenen Verhandlungslandschaft.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die unermüdlichen Streikposten der Lehrkräfte Druck erzeugt haben. Ohne diese Mobilisierung, so geben selbst Gewerkschaftsvertreter wie Xelo Valls von CCOO zu, wäre der heutige Verhandlungstisch ein anderer gewesen. Die Botschaft der Streikenden an die Conselleria sei klar gewesen: “Hier sind wir, und Kürzungen werden nicht möglich sein.” Doch dieser Druck hat keinen Durchbruch in der Kernfrage gebracht. Die von einigen Verbänden bereits im Mai unterzeichnete, äußerst magere Gehaltserhöhung von 200 Euro bis 2028 bleibt für Ortí sakrosankt. Eine Neuverhandlung lehnt sie kategorisch ab – ein Affront gegenüber jenen, die für substantielle Verbesserungen weiterkämpfen.
Die Drohung steht im Raum
Die eigentliche Schlagzeile schreiben daher nicht die Politiker, sondern die Gewerkschafter. Marc Candela von STEPV stellt unmissverständlich klar: Der Streik sei nur vorübergehend ausgesetzt und könne “reaktiviert werden, wann immer es nötig ist”. Diese permanente Warnung ist das Damoklesschwert über den angekündigten sektoralen Verhandlungstischen, die nun folgen sollen. Die Regierung versucht, sich als handlungsfähig und organisiert darzustellen und verweist auf die reibungslose Durchführung der Abiturprüfungen trotz Streiks. Doch diese operative Krisebewältigung ersetzt keine langfristige, von breiter Mehrheit getragene Lösung.
Die Gräben sind tief, die Positionen verhärtet. Während die Conselleria sich auf geschlossene Verträge beruft, lehnt die “immense Mehrheit” des Lehrpersonals, wie Candela betont, die globalen und die meisten Teilabkommen ab. Maite Tarazona von UGT PV nennt die Einigung zum Valencianisch-Unterricht sogar den “bei weitem schlechtesten Punkt”. Hier war jedes Verständnis unmöglich. Das ist kein Fundament für einen dauerhaften Frieden, sondern der Nährboden für den nächsten Konflikt.
Ein Kapitel zu Ende, ein Buch voller Konflikte
Die Rhetorik der Regierung ist eine des Durchwurstelns. Man werde “alles, was die Teilnehmer besprechen möchten, auf den Tisch legen können”, so Ortí, müsse aber gleichzeitig den “ordentlichen Betrieb” für das kommende Schuljahr vorbereiten. Diese Doppelbotschaft – prinzipielle Offenheit bei praktischer Betriebsblindheit – ist es, die die Gewerkschaften zu Recht misstrauisch macht. Sie interpretieren die Teilabkommen nicht als Beginn einer neuen Ära der Kooperation, sondern als Etappenziel in einem andauernden Kampf. Lauren Bárcena von ANPE bringt es auf den Punkt: Man habe ein “Kapitel” mit 21 Verhandlungsrunden geschlossen, um nun mit “Arbeitswillen” an die sektoralen Tische zu gehen und weitere “Errungenschaften” zu erzielen.
Fazit: Was wie eine Deeskalation aussieht, ist in Wahrheit eine strategische Pause. Die Regierung hofft auf Ermüdung, die Gewerkschaften sammeln ihre Kräfte. Die unterzeichneten Papiere sind nicht mehr als brüchige Waffenstillstandsverträge. Der eigentliche Krieg um die Wertschätzung, die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen im valencianischen Bildungswesen ist noch lange nicht vorbei. Die nächste Runde beginnt bereits nächste Woche. Und mit ihr die countdown bis zur möglichen nächsten Streikwelle.
Quellen: Erklärungen der Bildungsministerin Carmen Ortí und der Gewerkschaftsvertreter von STEPV, CCOO, UGT PV und ANPE im Anschluss an die Verhandlungen, wie von der Nachrichtenagentur Europa Press berichtet.
Quelle: europapress.es