Lehrergewerkschaften setzen Streik aus, nicht den Kampf

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Lehrergewerkschaften setzen Streik aus, nicht den Kampf

von Jonas Beck

Strategische Pause nach historischem Ausstand

Seit dem 11. Mai befanden sich die Lehrkräfte der öffentlichen Schulen in der Autonomen Gemeinschaft Valencia im unbefristeten Streik. Am gestrigen Donnerstag, dem 11. Juni, teilten die drei Hauptgewerkschaften STEPV, CCOO PV und UGT PV mit, diese Maßnahme ab Freitag vorübergehend auszusetzen. Diese Entscheidung folgte auf eine digitale Abstimmung unter den Beschäftigten. Die Gewerkschaftsvertreter bezeichnen den Schritt nicht als Ende, sondern als eine „strategische Unterbrechung“. Diese ermöglicht es, den Streik jederzeit ohne Vorankündigung wiederaufzunehmen, während andere Protestformen fortgesetzt werden.

Massenprotest als deutliches Signal

Noch vor Inkrafttreten der Aussetzung demonstrierten am Donnerstagmittag tausende Lehrerinnen und Lehrer durch die valencianische Hauptstadt. Der Zug startete vor dem Bildungsministerium der Regionalregierung („Conselleria d‘Educació“) im Stadtteil Campanar, wo zeitgleich eine Verhandlungsrunde stattfand, und zog unter musikalischer Begleitung zur zentralen Plaza de la Virgen. Die Teilnehmer, gekleidet in den symbolträchtigen grünen T-Shirts für die öffentliche Bildung und gelben Warnwesten mit der Aufschrift „docent treballant en precari“ (Lehrkraft in prekärer Beschäftigung), trugen Plakate mit Forderungen nach mehr Ressourcen, weniger leeren Versprechungen und einem Ende der Sparmaßnahmen.

Der Tenor war entschlossen: „No vamos a parar, queremos educación pública y de calidad“ („Wir werden nicht aufhören, wir wollen öffentliche und qualitativ hochwertige Bildung“), skandierte die Menge. Ein Demonstrant beschrieb die Situation gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press als „Ende der ersten Staffel“, was auf eine Fortsetzung des Konflikts hindeutet.

Gewerkschaften behalten die Initiative

Auf der Abschlusskundgebung betonten die Gewerkschaftsvertreter ihre Deutungshoheit. Marc Candela, Koordinator für gewerkschaftliche Aktionen des STEPV, dankte den Kollegen für den „historischen“ und „internationalen Referenz“ setzenden Streik. Er erklärte, das valencianische Lehrpersonal habe „das Bildungsministerium durchfallen lassen“. Die von der Bildungsministerin („consellera“) für beendet erklärten Verhandlungen seien aus Sicht der Gewerkschaften weiterhin offen. „Wir sind es alle zusammen, die die Zeiten kontrollieren und die sagen, wann wir die Mobilisierungen aktivieren“, sagte Candela.

Xelo Valls, Generalsekretärin des Bildungsbereichs von CCOO PV, sprach von einem „Semikolon“ im Streikgeschehen. Die Aussetzung diene dazu, das Schuljahr in den Klassenräften zu beenden und die Schüler zu verabschieden. Man werde Kraft sammeln und die Aussetzung aufheben, „wenn wir es gemeinsam für notwendig erachten“. Kilian Cuerda von UGT PV warnte: „Dieser Sommer und Herbst, Valencia in Flammen für die öffentliche Bildung.“

Forderungen bleiben im Raum

Die Kernforderungen der Streikbewegung, zu denen unter anderem die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung, die Abschaffung befristeter Verträge und die Aufstockung des Personals gehören, blieben nach Gewerkschaftsangaben trotz Verhandlungen weitgehend unerfüllt. Die portavoz von Intersindical, Beatriu Cardona, erklärte, man kehre mit erhobenem Haupt in die Klassen zurück, um den Schülerinnen und Schülern direkt zu vermitteln, „dass man für das kämpfen muss, was man will“.

Die Aussetzung des Streiks stellt somit keine Lösung des Konflikts dar, sondern eine taktische Neuformierung. Die Gewerkschaften positionieren sich als bestimmende Kraft, die den Druck je nach Verhandlungsfortschritt wieder hochfahren kann. Die Rückkehr an die Schulen ist vorerst eine Atempause, die laut den Anführern der Bewegung für weitere Mobilisierungen genutzt werden soll.

Quelle: Europa Press, Meldung vom 11. Juni, ergänzt durch Statements von Gewerkschaftsvertretern auf der Kundgebung.


Quelle: europapress.es

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