Widerstand gegen höhere Tourismussteuer wächst

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Widerstand gegen höhere Tourismussteuer wächst

von Clara Weber

Die Debatte über steuerliche Entlastungen in Spanien sorgt für scharfe Kritik aus der Tourismusbranche. Nachdem die EU-Kommission Madrid aufgefordert hat, bestimmte Steuervorteile zu überprüfen, um die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren, formiert sich nun erbitterter Widerstand. Der Hotel- und Tourismusverband Hosbec in der Valencianischen Gemeinschaft lehnt eine mögliche Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Hotels und Restaurants strikt ab.

”Ein Schuss ins eigene Knie”

Der Vorsitzende des Verbands, Fede Fuster, zieht einen drastischen Vergleich: “Wir würden uns damit selbst Zölle auf unsere eigenen Exporte auferlegen, während wir uns über die Zölle anderer Länder beschweren”, erklärte er. Der Tourismus sei im Kern ein Export von Dienstleistungen. Eine höhere Abgabe würde daher die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors direkt angreifen, anstatt die versprochenen Steuereinnahmen zu sichern.

Hintergrund ist ein offizielles Schreiben der EU-Kommission vom vergangenen Mittwoch. Darin wird Spanien angehalten, die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen zu stärken und dabei auch den reduzierten Mehrwertsteuersatz für touristische Dienstleistungen kritisch zu hinterfragen.

Breite Praxis in Europa, massive Auswirkungen befürchtet

Hosbec betont in einer Stellungnahme, dass ermäßigte Sätze für Beherbergung und Gastronomie in der EU keineswegs eine Besonderheit seien. Spanien liege mit seinem reduzierten Satz von 10 Prozent voll im europäischen Trend und auf Augenhöhe mit wichtigen Konkurrenzländern wie Frankreich, Italien oder Österreich. “Tatsächlich ist Dänemark das einzige EU-Land, das keinen ermäßigten Satz anwendet”, so der Verband.

Die wirtschaftlichen Folgen einer Steuererhöhung wären laut Hosbec jedoch weitreichend. Der Sektor habe allein in der Valencianischen Gemeinschaft im Jahr 2025 etwa 30 Milliarden Euro erwirtschaftet – fast ein Fünftel des regionalen Bruttoinlandsprodukts. Eine Steuererhöhung gefährde nicht nur diese Leistung, sondern auch die rund 385.000 Arbeitsplätze, die der Tourismus in der Region stellt.

Besonders betroffen wären strukturschwache Gebiete: “Der Schlag wäre besonders schwer in den Gebieten, die am stärksten vom Tourismus abhängen”, heißt es in der Mitteilung. Gemeint sind damit Küstenregionen, ländliche Destinationen, aber auch historische Städte im Inland, in denen der Tourismus andere Wirtschaftszweige mitzieht.

Zweifel an der Rechnung der Regierung

Der Verband stellt zudem die Grundlage der möglichen Maßnahme in Frage. Schätzungen der Regierung, die von bis zu sieben Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen ausgehen, seien irreführend. Sie berücksichtigten nicht die dynamischen Effekte auf Preise, Nachfrage, Investitionen und die oft knappen Gewinnspannen der Unternehmen. Die Summe könne daher nicht als sichere Nettomehreinnahme dargestellt werden.

Zudem stehe eine Steuerbelastung im Widerspruch zu den ambitionierten Zielen der Branche selbst. “Der Tourismus ist voll und ganz auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Qualität verpflichtet”, sagte Fuster. All diese Transformationsprozesse erforderten jedoch ausreichende finanzielle Spielräume, die durch höhere Steuern weiter unter Druck gerieten. Eine Erhöhung des Tourismus-IVA ginge damit genau in die falsche Richtung.

Quelle: Mitteilung der Associació Empresarial Hotelera i Turística de la Comunitat Valenciana (Hosbec).


Quelle: europapress.es

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