Wenn Pfleger im Auto schlafen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Wenn Pfleger im Auto schlafen

von Redaktion

Hier, an der sonnenverwöhnten Küste Spaniens, bricht sich eine absurde Realität Bahn: Während Touristen in Luxusapartments residieren, schlafen Ärzte und Krankenpfleger in ihren Autos. Auf dem Parkplatz ihres eigenen Arbeitsplatzes. Dies ist kein dystopischer Roman, sondern die nackte Wahrheit des Universitätskrankenhauses Costa del Sol in Marbella. Die unabhängige Gewerkschaft CSIF, laut eigenen Angaben stärkste Kraft im andalusischen Gesundheitsdienst, schlägt Alarm – und der ist laut, schrill und verzweifelt.

Ein System kollabiert auf vier Rädern

Die Diagnose ist eindeutig und tödlich für das öffentliche Gesundheitswesen: Ein toxischer Mix aus explodierenden Mietpreisen, touristischer Verdrängung und infrastruktureller Ignoranz erstickt das Personal. Die Folge, wie der Gewerkschaftsverband CSIF in einer dringenden Eingabe an die Krankenhausleitung darlegt, ist ein massiver Personalmangel. Verträge werden abgelehnt, Stellen bleiben unbesetzt, erfahrene Kräfte wandern ab. Wer bleibt, dem wird Absurdität zugemutet: Pendler fahren Hunderte Kilometer täglich, andere leben dauerhaft in Wohnmobilen oder ihrem PKW auf dem Klinikgelände, nur um Punkte für eine Festanstellung zu sammeln. Das ist nicht prekär. Das ist entwürdigend.

Die Verwaltung, so der scharfe Vorwurf der Gewerkschaft, schaut nicht nur tatenlos zu, sie handelt kontraproduktiv. Als Beweis führt CSIF die ehemalige „Residencia de Tiempo Libre“ an: Ein Gebäude, kaum 3,5 Kilometer vom Krankenhaus entfernt, das während der Pandemie noch als Unterkunft für Helfer diente. Statt es der akuten Wohnungsnot zu widmen, hat die andalusische Regionalregierung die Konzession neu ausgeschrieben. Eine Entscheidung, die für CSIF exemplarisch steht für „das verantwortungslose Management öffentlicher Ressourcen“ in der Region.

Der Sommer kommt – und mit ihm der Kollaps

Die aktuelle Krise ist nur das Vorspiel. Alle Warnlampen leuchten rot für die Sommermonate, wenn der touristische Ansturm die Bevölkerung vervielfacht und der Urlaubsausfall des Stammpersonals gedeckt werden muss. Wie, fragen die Gewerkschafter zurecht, soll unter diesen Bedingungen zusätzliches Personal angeworben werden? Die schon jetzt zusammengestrichene Mobilität – ein Shuttle-Bus von Málaga wurde bereits im Februar ersatzlos gestrichen – verschärft das Problem zusätzlich.

Die Gewerkschaft beschreibt einen Teufelskreis: Keine Wohnung und keine vernünftige Anbindung bedeuten kein Personal. Kein Personal bedeutet eine überlastete Belegschaft und gefährdete Patientenversorgung. Eine überlastete Belegschaft führt zu mehr Kündigungen. Es ist ein strukturelles Versagen, das die Küste ihrer essentiellen Arbeiter beraubt. „Man kann ein öffentliches Gesundheitssystem nicht auf obdachlosen, ausgebeuteten Angestellten aufbauen“, stellt CSIF klar. Diese einfache Wahrheit scheint in den Amtsstuben Sevillas nicht anzukommen.

Nicht Jammern, Kämpfen

Die Forderungen der Gewerkschaft sind konkret und dringlich: Sofortmaßnahmen für Wohnraum und Mobilität. Es geht nicht um Wohltätigkeit, sondern um die Rettung der Grundversorgung. Der Fall Marbella ist dabei nur die Spitze des Eisbergs, ein Menetekel für alle Tourismus-Hotspots. Wenn eine Gesellschaft zulässt, dass diejenigen, die Leben retten, in Autos hausen müssen, dann hat sie ihre Prioritäten auf perfide Weise verschoben. Der Luxus der einen wird mit der Würde der anderen erkauft.

Die Verantwortung liegt klar bei der andalusischen Junta und den lokalen Verwaltungen. Ihr Versagen ist planbar und die Konsequenzen sind lebensgefährlich. Der Parkplatz des Hospital Costa del Sol ist kein Schandfleck, er ist ein Monument des politischen Versagens. Es ist Zeit, dass der Aufschrei der Gewerkschaften gehört wird – nicht als Bedauern, sondern als Handlungsanweisung.

Quelle: Dringliche Mitteilung und Stellungnahme der Gewerkschaft CSIF, wie in verschiedenen Berichten, unter anderem dem Diario Sur, dargelegt.

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