Wenn das Zuhause kein Schutz mehr bietet

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Wenn das Zuhause kein Schutz mehr bietet

von Clara Weber

Flucht vor der Gluthitze

Während in Teilen Spaniens erneut Temperaturen von bis zu 44 Grad erwartet werden, verwandelt sich die alltägliche Lebensführung vieler Bürger in eine logistische Herausforderung. Eine bevorstehende Hitzewelle, die vor allem den Nordosten, die Mitte und die Südhälfte des Landes treffen soll, sowie die jüngste Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Strom auf 21 Prozent treiben die Menschen in die Arme öffentlicher Kälteoasen. Laut Prognosen der staatlichen Wetteragentur Aemet könnten die heißen Tage bis Ende des Jahrhunderts im Schnitt doppelt so häufig auftreten wie heute. Bereits im Juni waren drei der heißesten Tage seit Beginn der Aufzeichnungen zu verzeichnen.

Alltag im Kühlhaus

Für viele wird die eigene Wohnung zunehmend unerträglich. Im Madrider Stadtteil Retiro besucht die 76-jährige Matilde Núñez mehrmals täglich den örtlichen Supermarkt – nicht zum Einkaufen, sondern um sich in der Kühle zu erholen. Sie erlitt im Vorjahr einen Hitzschlag. Ähnlich ergeht es Studenten, die in Bibliotheken wie der Elena Fortún ihre Prüfungen vorbereiten, da ein konzentriertes Arbeiten in überhitzten Räumen kaum möglich ist. Für den 19-jährigen Enrique Ríos wäre das Lernen für seine Nachprüfungen ohne klimatisierte Orte „viel schwieriger“.

Teure Kühlung und veränderte Freizeit

Die Nutzung von Klimaanlagen ist für viele längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit – wenn auch eine kostspielige. Carmen Almagro, eine 35-jährige Bewohnerin Madrids, hat ihr Training in den Sommermonaten komplett in den Morgen verlegt und ist auf ihr Fitnessstudio angewiesen. Sie beschreibt ihre Abhängigkeit von klimatisierten Räumen als „100-prozentig“. Auch die Stromrechnung ist ein wachsender Kostenfaktor, dem sich kaum jemand entziehen kann. Die 27-jährige Kinderbetreuerin Mirella Condori sucht mit den Kindern öffentliche Wasserspiele und Einkaufszentren auf, um die Kosten für die heimische Klimaanlage zu reduzieren.

Selbst die Freizeitgestaltung junger Menschen hat sich gewandelt. Miguel Martín (19) gibt an, dass Treffen mit Freunden im Freien fast nicht mehr vorkommen. Bars und Einkaufszentren mit Klimaanlage sind an die Stelle von Plätzen und Parks getreten.

Ausbau der städtischen Kälteinfrastruktur

Viele Städte reagieren auf diesen Trend. Einem aktuellen Bericht von Greenpeace zufolge verfügen 16 der 52 spanischen Provinzhauptstädte über ein kommunales Netz an sogenannten Klima-Schutzräumen. Barcelona führt mit 500 solcher Einrichtungen. Auch Madrid unterhält eine wachsende Anzahl öffentlicher Kühlzentren, darunter Räume im Círculo de Bellas Artes, CentroCentro oder der Fundación Canal. In der Hauptstadt sind es mittlerweile 31 offizielle Standorte, in Valencia sind es 20. Diese Orte werden zu einem unverzichtbaren Bestandteil des urbanen Überlebens im Sommer.


Quelle: 20minutos.es