
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Stimmenklau im Café: KI-Betrug ist real
Die neue Gefahr am Nebentisch
Sie sitzen im Café, telefonieren, reden über private Dinge – und nebenan nimmt ein Fremder jedes Wort auf. Klingt nach Paranoia? Ist es nicht. Wie die Linguistin Carmen Torrijos gegenüber verschiedenen Medien klarstellt, ist es „perfekt möglich“, mit einer qualitativ hochwertigen Aufnahme Ihre Stimme per KI zu klonen und dann bei Ihren Angehörigen Geld zu erbitten. Die dafür nötigen Tools sind frei im Netz verfügbar und „sehr einfach zu bedienen“. Wer kein Informatikstudium hat, kann trotzdem zum Betrüger werden.
Nicht nur im Labor: Auch im Lärm des Alltags
Der catedrático Óscar Corcho von der Universidad Politécnica de Madrid räumt ein, dass selbst in einer „medianamente ruidosa“ – also mittelmäßig lauten – Bar eine solche Klonung möglich ist. Zwar müsse man das Audio erst vom Hintergrundlärm befreien, und die Ergebnisqualität leide etwas. Aber der technische Aufwand ist gering, die Hemmschwelle sinkt. Wer glaubt, der eigene Alltag sei zu unspektakulär für solche Attacken, irrt.
Nicht nur Opfer, sondern auch Täter?
Die Frage ist nicht mehr, ob es geht, sondern wann der erste Fall im Bekanntenkreis auftritt. Roberto Carreras, Gründer der KI-Beratung Voikers, sowie das spanische Institut für Cybersicherheit INCIBE raten: Misstrauen Sie Anrufen von angeblichen Verwandten mit unbekannten Nummern. Achten Sie auf unnatürlich lange Pausen zwischen Frage und Antwort. Stellen Sie persönliche Fragen, die nur Ihr echter Freund oder Ihre echte Freundin beantworten kann. Aber Vorsicht: Geben Sie dabei nicht zu viel preis, sonst liefern Sie dem Betrüger gleich die nächste Sicherheitsfrage.
Im Ernstfall: Handeln, nicht zaudern
Sollte Ihre Stimme bereits missbraucht worden sein, zählt Geschwindigkeit. Informieren Sie sofort Ihre Kontakte, blockieren Sie die Nummer, erstatten Sie Anzeige bei der Policía Nacional oder der Guardia Civil. Denn die Täter sitzen nicht nur im Silicon Valley, sondern vielleicht längst am Nebentisch.
Quellen: Aussagen von Carmen Torrijos (Computational Linguistin), Óscar Corcho (Universidad Politécnica de Madrid), Roberto Carreras (Voikers), INCIBE – zitiert nach 20minutos.es.
Quelle: 20minutos.es