Vorwürfe der Opfervertretung Adamuz: CIAF-Chef verharmlost Unfall

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Vorwürfe der Opfervertretung Adamuz: CIAF-Chef verharmlost Unfall

von Redaktion

Klage über mangelnde Transparenz und "irreführende" Aussagen

Die Opfervereinigung des Eisenbahnunglücks von Adamuz bei Córdoba, bei dem am 18. Januar 46 Menschen starben, übt massive Kritik an der Arbeit der zuständigen Untersuchungskommission. Wie der Präsident der Vereinigung, Mario Samper, in einer Stellungnahme ausführte, sieht er sich durch jüngste Aussagen des Präsidenten der Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios (CIAF), Ignacio Barrón, im Stich gelassen. Barrón hatte den Unfall im spanischen Senat als "fortuitos" – als zufällig oder unvorhersehbar – bezeichnet und von einer "enormen Portion Pech" gesprochen. Samper wertet dies gegenüber Medien als "irresponsible".

"Die Behauptung, es handele sich um einen unvorhersehbaren Zufall, ist schlichtweg ungeheuerlich", so Samper wörtlich. Die Opfervertretung halte an der Grundüberzeugung fest, dass "jeder Unfall vermeidbar ist". Samper führt aus, dass Barróns Äußerungen im Widerspruch zu den Ermittlungen der Guardia Civil stünden, die bereits konkrete Verantwortlichkeiten bei Personen und Unternehmen prüfe. Diese Aussagen würden solche Ansätze "ins Nichts laufen lassen".

Verdacht auf politische Einflussnahme im Untersuchungsverfahren

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den internen Ablauf der CIAF-Ermittlungen. Samper erklärt, technische Experten erstellten zunächst einen privaten Berichts-Entwurf. Dieser werde dann einem Gremium (Pleno) vorgelegt, das das Recht habe, den Inhalt zu ändern. "Dieses Gremium besteht aus Personen, von denen wir nicht wissen, ob sie politisch korrekt sind", so Samper. Die Befürchtung der Opfer sei, dass nicht nur die Wortwahl, sondern die Substanz des Berichts verändert werde. "Das bereitet uns große Sorgen."

Zudem bemängelt Samper einen Mangel an offizieller Kommunikation. Entgegen den Aussagen Barróns im Senat, die CIAF informiere die Opfer "jederzeit", liege seiner Vereinigung bis heute kein einziges offizielles Schreiben der Behörde vor. Informationsgespräche in der Anfangsphase seien informell und nicht als offizielle Berichterstattung zu werten.

Hindernisse für die Aufklärung: Daten und Personal

Die Kritik geht über Verfahrensfragen hinaus. Laut Samper verschweige der CIAF-Präsident wesentliche Hindernisse bei der Aufarbeitung. So habe die Regionalregierung von Andalusien (Junta de Andalucía) der CIAF die Herausgabe von Kommunikationsdaten der Notrufzentralen 112 und 061 verweigert. Diese Daten seien jedoch "entscheidend", um die fast anderthalbstündige Verzögerung beim Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort zu klären.

Ebenfalls nicht thematisiert worden seien die personellen Engpässe der Ermittlungsbehörde selbst. Samper beruft sich auf interne Aussagen, wonach nur zwei Untersuchungsbeauftragte, eine davon mit sehr geringer Erfahrung, für den Fall zuständig seien. Diese hätten selbst um mehr Personal und finanzielle Mittel gebeten. "Darüber hat dieser Herr im Senat mit keinem Wort gesprochen. Und das hätte er sagen müssen", so Samper.

Opfer fordern Mitsprache – und werden abgewiesen

Die Vereinigung hatte zudem beantragt, wie bei anderen Unglücken (etwa nach einer "Dana", einem schweren Unwetter) üblich, im Senat angehört zu werden. Dieser Antrag wurde abgelehnt, angeblich weil er zu spät – am Donnerstag vor der Sitzung – gestellt worden sei. Samper hält dies für eine fadenscheinige Begründung: "Ich denke, die Zeit war mehr als ausreichend, damit alle politischen Gruppen davon Kenntnis nehmen und zustimmen können."

Ein weiterer Streitpunkt ist die jüngste Entscheidung der ermittelnden Richterin am Gericht in Montoro (Córdoba), die zahlreichen Einzelklagen der über 400 Geschädigten in ein einheitliches Verfahren zu überführen. Samper steht dieser Vereinigung skeptisch gegenüber, da er bezweifelt, dass ein einzelner Anwalt die Interessen aller Betroffenen in gleicher Weise vertreten kann.

Die Vorwürfe der Opfervertretung werfen grundlegende Fragen zur Unabhängigkeit, Transparenz und Effektivität der offiziellen Unfalluntersuchung auf. Während die CIAF ihren Abschlussbericht vorbereitet, wächst bei den Hinterbliebenen die Sorge, dass eine lückenlose Aufklärung aller Ursachen und Verantwortlichkeiten nicht gewährleistet ist.

Quelle: Stellungnahme von Mario Samper, Präsident der Asociación Víctimas Descarrilamiento Adamuz, gegenüber Medien.