Die heimkehr der Krise-Emigranten

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Die heimkehr der Krise-Emigranten

von Jonas Beck

Statistik belegt Trendwende

Die Zahlen des nationalen Statistikinstituts (INE) zeigen eine klare Wende: Seit einigen Jahren ist die Bilanz der spanischen Bürgerwanderung positiv. Es kehren mehr Menschen nach Spanien zurück, als das Land verlassen. Im Jahr 2023 belief sich dieser positive Saldo auf 26.062 Personen, für 2024 werden 6.616 registriert. Hochgerechnet bedeutet das, dass jährlich rund 150.000 spanische Staatsangehörige ihren Lebensmittelpunkt zurück in ihr Heimatland verlegen. Etwa die Hälfte davon sind in Spanien geboren, und gut 20 Prozent werden der Kategorie "wissenschaftliche, technische und intellektuelle Fachkräfte" zugerechnet.

Motive: Familie und die Lebensmitte

Diese Rückkehrer sind typischerweise um die 40 Jahre alt und hatten Spanien während der tiefen Wirtschafts- und Beschäftigungskrise ab 2008 in Richtung stabilerer Arbeitsmärkte wie Deutschland, Großbritannien oder die USA verlassen müssen. Wie die Plattform "Volvemos", die seit einem Jahrzehnt Rückkehrer betreut, analysiert, sind die Auslöser für die Rückkehr heute vorrangig persönlicher Natur. An erster Stelle stehen familiäre Gründe: der Wunsch, näher bei den alternden Eltern zu sein oder eigene Kinder nicht in der Fremde aufwachsen zu lassen. Hinzu kommt eine existenzielle Weichenstellung in der Lebensmitte. Viele stellen sich die Frage, ob sie bis zur Rente im Ausland bleiben wollen oder nun die Chance für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in der Heimat suchen.

Die persönlichen Geschichten illustrieren diese Motive. María Fernández, eine 45-jährige Journalistin, kehrte nach elf Jahren in New York mit ihrem amerikanischen Partner nach Barcelona zurück. "Es gibt einen Moment, da muss man sich entscheiden: seine Karriere hier, näher bei der Familie, fortzusetzen oder bis zur Rente in den USA zu bleiben", erklärt sie. Daniel de Llano, 38, zog nach fünf Jahren in San Francisco zurück in seine Heimatstadt Córdoba. Die räumliche Distanz zur Familie lastete zunehmend auf ihm: "Ich war nicht 100 Prozent glücklich, die Dinge sind dort schwer, und die Familie weit weg zu haben, hat mich belastet."

Hürdenlauf der beruflichen Reintegration

Die Rückkehr ist jedoch selten ein nahtloser Übergang, insbesondere für hochqualifizierte Kräfte. Wie María Fernández berichtet, wird im spanischen Arbeitsmarkt die im Ausland gesammelte Berufserfahrung nicht immer als Vorteil gewertet. "Es gibt das Gefühl eines Professionalitätsverlustes, wenn man zurückkommt", so die Kommunikationsexpertin. Sie kennt Fälle von Rückkehrern, die versuchen, ihren internationalen Werdegang zu verschleiern, aus Sorge, potenzielle Arbeitgeber könnten sich dadurch verunsichern lassen.

Diese Beobachtung deckt sich mit den Erfahrungen von Diego Ruiz del Árbol. Der Informatiker gründete nach seiner eigenen Rückkehr aus Deutschland vor zehn Jahren die Plattform "Volvemos". "Wenn du zurückkommst, um in Spanien zu arbeiten, und nicht nur zum Rentenbezug, stößt du auf ein absolutes Vakuum", fasst er die Situation zusammen. Seine Initiative bietet praktische Hilfe bei Relokation, Jobsuche und Behördengängen und arbeitet teilweise mit Regionalregierungen wie denen von Andalusien, Asturien oder Kastilien-La Mancha zusammen. Ruiz del Árbol kritisiert das Fehlen einer übergeordneten nationalen Strategie zur Förderung der Rückwanderung und Talentsicherung, die nicht von partikularen Wirtschaftsinteressen geleitet sei.

Psychosoziale Herausforderungen des "Rückkehr-Dilemmas"

Neben bürokratischen und beruflichen Schwierigkeiten beschreiben Rückkehrer auch psychologische Herausforderungen. Das Phänomen des "migratorischen Traumas" oder "Rückkehr-Dilemmas" tritt auf: Die Person, die zurückkehrt, ist nicht mehr dieselbe, die gegangen ist, und das Heimatland hat sich ebenfalls verändert. Fernández formuliert es so: "Zurückzukommen bedeutet auch, sich der Frage zu stellen, wer man jetzt ist." Die Plattform "Volvemos" bestätigt, dass Anfragen häufig fundamentale Unsicherheiten betreffen: Steuerrecht, Homeoffice-Regelungen, Wohnungssuche, Schulbildung im Ausland geborener Kinder und allgemeine Fragen der Wieder-Einwurzelung.

Die demografische Landschaft der spanischen Auslandgemeinden hat sich zudem verändert. Über drei Millionen Spanier sind im Auslandsregister (PERE) eingetragen, doch der größte Teil dieser Zahl resultiert mittlerweile aus der Weitergabe der Staatsbürgerschaft an Nachkommen in ehemaligen Einwanderungsländern. Diese Gruppe übersteigt die der aktiven bildungs- oder arbeitsbedingten Emigranten bei weitem, wie die Statistiken zeigen.

Die Rückkehr der Krise-Emigranten offenbart somit eine komplexe Realität. Getrieben von starken persönlichen Motiven, müssen die Rückkehrer einen institutionell nur unzureichend unterstützten Parcours bewältigen, der ihre berufliche Wertschätzung und persönliche Identität gleichermaßen auf die Probe stellt.


Quelle: 20minutos.es