Vom Kurs abgetrieben: Die Irrfahrt einer Patera

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Cartagena

Vom Kurs abgetrieben: Die Irrfahrt einer Patera

von Redaktion

Chronologie eines gescheiterten Überlebenskampfes

Eine kleine, hoffnungsvoll gestartete Holzboot verließ am vergangenen Montag die algerische Küste bei Tipasa mit 18 Personen an Bord. Ihr erklärtes Ziel war die Inselgruppe der Balearen. Dies gaben die beiden später geretteten Überlebenden nach ihrer Bergung an, wie die Menschenrechtsorganisation Caminando Fronteras rekonstruierte. Die Route von der nordafrikanischen Küste zu den spanischen Inseln ist eine bekannte, wenn auch äußerst gefährliche Migrationsroute.

Die Reise nahm jedoch früh eine tödliche Wendung. Starke Strömungen brachten das Boot vom Kurs ab und trieben es mehrere Tage lang führungslos auf dem Mittelmeer. Die Vorräte an Trinkwasser, Nahrung und Treibstoff gingen zur Neige. In dieser verzweifelten Situation kam es zu den ersten Todesfällen an Bord.

Bergung und juristische Folgen

Erst am darauffolgenden Montag, den 22. April, wurde die in Not geratene Patera etwa 25 Seemeilen vor der Küste der Stadt Cartagena in der Region Murcia gesichtet. Die Alarmierung erfolgte durch ein französisches Militärschiff. Der spanische Seenotrettungsdienst Salvamento Marítimo leitete umgehend die Rettungsaktion ein.

An Bord des gekenterten Bootes fanden die Retter nur noch zwei Überlebende sowie drei Leichen. Die simple Rechnung ergab ein düsteres Bild: 13 weitere Personen, die mit an Bord gewesen waren, fehlten und wurden offiziell als vermisst gemeldet. Einer der beiden Geretteten wurde noch am selben Tag von der Polizei festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, für den Tod mindestens einer Person durch Fahrlässigkeit verantwortlich zu sein.

Suche nach den Vermissten und familiäre Initiative

In den folgenden Tagen intensivierten sich die Suchbemühungen. Wie Behörden mitteilten, lokalisiere ein Kreuzfahrtschiff am Mittwoch fünf Leichen etwa 140 Seemeilen östlich von Cabo de Palos. Ob es sich dabei um einige der 13 Vermissten handelt, ist bislang unbestätigt. Ein weiterer Leichnam, ausgestattet mit einer Schwimmweste, wurde am Freitagmorgen an einem Strand bei Cabo de Palos angespült. Die physischen Merkmale deuten laut ersten Ermittlungshypothesen auf einen Migranten hin.

Parallel zu den offiziellen Maßnahmen ergriffen Angehörige Initiative. Wie Helena Maleno, die Gründerin von Caminando Fronteras, gegenüber Europa Press erklärte, hatten die Migranten vor ihrer Abreise Kontakt zu ihren Familien aufgenommen und das Ziel Balearen genannt. Ein Bruder eines Vermissten reiste daraufhin nach Mallorca und erstattete bei der Nationalpolizei eine offizielle Vermisstenanzeige.

Forderungen nach besserer Koordination

Die Tragödie wirft erneut Fragen nach der Effektivität der Seenotrettung und der Prävention auf. Maleno betonte, dass in den letzten Tagen mehrere weitere Boote als verschwunden gemeldet worden seien, deren Schicksal man derzeit untersuche. Sie forderte eine Verbesserung der Suchmechanismen und eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen den spanischen und algerischen Behörden, um derartige Vorfälle auf hoher See zu verhindern.

Die Organisation Caminando Fronteras hatte die alarmierenden Informationen von besorgten Familien erhalten und daraufhin eine offizielle Alertmeldung an die zuständigen Behörden herausgegeben, um auf das mögliche Verschwinden des Bootes mit 18 Menschen aufmerksam zu machen.

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