
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Verantwortung und Mittel: Eine Zeugenaussage zur Flutkatastrophe
In der Untersuchungskommission des Regionalparlaments zur Flutkatastrophe vom 29. Oktober 2024 verteidigte Susana Camarero, damals First Vice President des Consell und Ministerin für Soziales, Gleichstellung und Wohnraum, die Handlungen ihrer Behörde. Sie stellte jedoch auch Defizite in der Informationslage dar, welche eine effektivere Hilfe behindert haben.
Chronologie der behördlichen Maßnahmen
Camarero legte eine methodische Darstellung der Ereignisse des 29. Oktober vor. Wie aus WhatsApp-Protokollen ihrer Behörde ersichtlich ist, sei ihre erste Priorität bereits „in der frühen Morgenstunde“ die Sicherung vulnerabler Personen gewesen. Konkret ordnete sie laut eigenen Angaben um 8:19 Uhr den Kontakt mit allen Sozialzentren, Pflegeheimen und Organisationen für Obdachlose an, um Probleme zu erfassen und Unterstützung anzubieten.
Um 9:52 Uhr wurde, wie Europa Press berichtet, ein bereits seit Sommer 2024 existierendes und online verfügbares Protokoll für den Fall von Regenalarmen an die entsprechenden Zentren verschickt. Dieses Protokoll sei, so Camarero, unter der vorherigen Regierung des „Botànic“ in acht Jahren nie erstellt worden.
Die erste kritische Lage meldete sich laut der Ministerin um 13:30 Uhr in einem Pflegeheim in Carlet, wo eine Dachverglasung brach. Nach einem Telefonat mit der Bürgermeisterin sei die Situation dort jedoch wieder stabil gewesen. Weiteres Monitoring folgte für ein Jugendzentrum in Alboraig, wo Camarero um 17:34 Uhr das Verbot ausgab, dass die Jugendlichen das Gebäude verlassen sollten.
Der Vorwurf des „Premien-Abends“
Ein kontroverser Punkt ist Camarero’s Teilnahme an einer Veranstaltung der Valencianischen Unternehmenskonföderation (CEV) um 18:00 Uhr. Gegenüber der Kommission bestritt sie vehement, dass dies ein „Preisverleihungsfest“ gewesen sei. Sie habe die Teilnahme auf Anfrage der Veranstalter und nach Rücksprache über eine mögliche Absage durchgeführt, während sie permanent mit ihrem Team in Verbindung geblieben sei. Um 18:30 Uhr, so ihre Aussage, waren ihrem Team keine weiteren Vorfälle in Pflegeheimen bekannt.
Die eigentliche Flutwelle in der Region Horta Sud erreichte die Behörden laut Camarero erst „in der letzten Stunde des Nachmittags“. Darauf reagierte das Ministerium „sofort“ mit telefonischen Kontaktaufnahmen zu den Heimen in den betroffenen Gemeinden.
Tragödie in Paiporta und die Rolle der Teleassistenz
Bezüglich des Pflegeheims in Paiporta, wo sechs Personen starben, erklärte Camarero, dass die Betreiberfirma das Protokoll kannte und der Tag normal verlief, bis „ab etwa 19:30 Uhr ein Tsunami, eine schnelle und plötzliche Wasser- und Schlammflut die Tür durchbrach“. Sie würdigte zugleich die Mitarbeiter, die ihr Leben riskierten, um 113 weitere Bewohner zu retten.
Zu den Vorwürfen, dass das Teleassistenz-System während der Katastrophe nicht funktioniert habe, stellte Camarero klar: „Es gibt keine Opfer der Teleassistenz, es gibt Opfer unter den Toten, die den Dienst nutzten.“ Sie bezeichnete es als „unfair“, die Todesfälle mit dem Dienst zu verbinden, da dieser ein Betreuungsdienst und kein Krisen-Warnsystem sei. Die Dienstverträge, die diesen Umfang definieren, wurden laut ihrer Aussage unter der früheren Ministerin Mónica Oltra signiert. Alle sechs eingehenden Anrufe von später verstorbenen Nutzern wurden, so Camarero, bearbeitet.
Reflexion und Verteidigung
Susana Camarero bekräftigte in ihrer gesamten Aussage, dass die Behörde mit der verfügbaren Information und den vorhandenen Mitteln agierte. Ihr größtes Bedauern sei, nicht alle notwendigen Informationen gehabt zu haben, um mehr helfen zu können. Die Entscheidung, die offizielle Agenda zu halten, war für sie „kompatibel mit der Wahrnehmung der sich entwickelnden Situationen“.
Sie wies wiederholt auf die „Dimensionen einer nie dagewesenen Tragödie“ hin und kritisierte die Verbreitung von „Falschinformationen“ über die Ereignisse, welche die Untersuchung belasten.