Valencias Wirtschaftschef attackiert "nationale Priorität"

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Valencias Wirtschaftschef attackiert "nationale Priorität"

von Redaktion

Der Präsident der Confederación Empresarial de la Comunitat Valenciana (CEV), Vicente Lafuente, hat sich in einem klaren Angriff auf die Forderungen der Partei Vox geäußert. Das von Vox in den Koalitionsverhandlungen mit der konservativen Volkspartei (PP) auf regionale Ebene eingebrachte Konzept der "Priorität nationaler Arbeitnehmer" sei von "zweifelhafter Verfassungsmäßigkeit", so Lafuente bei einer Veranstaltung des Forum Europa Tribuna Mediterránea am Montag. Dies berichten mehrere Teilnehmer der Veranstaltung.

Verfassungsrechtliche Bedenken und politische Polarisierung

Lafuente, der auch Vizepräsident des spanischen Arbeitgeberverbands CEOE ist, drängte darauf, die Haushaltsverhandlungen für die Region Valencia voranzubringen – jedoch "mit Respekt vor den Menschen". Die geforderte Bevorzugung spanischer Staatsbürger auf dem Arbeitsmarkt sei "in diesem Moment sehr diskutabel". Der Unternehmensvertreter sieht in solchen Forderungen ein Wiederaufleben des Konflikts der "zwei Spanien". Er forderte alle Parteien auf, von "Vetos" abzusehen und zu verhandeln. "Etwas, das zweifelhaft ist, würde ich nicht weiterverfolgen", sagte er.

Die gegenwärtige politische Polarisierung generiere Unsicherheit und verlangsame Investitionsentscheidungen, kritisierte Lafuente. Er forderte eine Rückkehr zur sachlichen Debatte: "Wir brauchen gute Politik mehr denn je."

Plädoyer für Migrationsregularisierung und Fachkräftesicherung

Ein zentrales Thema seiner Rede war die Arbeitsmarktpolitik. Lafuente sprach sich explizit für eine außerordentliche Regularisierung von Migranten ohne Papiere aus. "Wir brauchen, dass Leute kommen", stellte er fest, da viele Sektoren wie Pflege und Gastgewerbe unter akutem Personalmangel litten. Diese Positionen würden oft von Menschen besetzt, "die mit Hunger kommen und bereit sind, ein Lebensprojekt aufzubauen". Die würdigste Lösung sei es, ihnen eine legale Arbeit zu ermöglichen.

Gleichzeitig betonte er, es gehe nicht um eine "Politik der offenen Tür", sondern darum, Menschen, die bereits im Land seien, aus der Schattenwirtschaft zu holen. Ein größeres Problem als die Löhne sei oft die mangelnde Motivation, einer regulären Arbeit nachzugehen. Die eigentliche Herausforderung für die valencianische Wirtschaft identifizierte er im "Mangel an Talent" und forderte massive Anstrengungen in Aus- und Weiterbildung.

Appell zu Finanzreform und wirtschaftlichen Herausforderungen

Abschließend richtete Lafuente einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen, die Reform des regionalen Finanzausgleichssystems voranzutreiben. Zwar kritisierte er den Stil der bisherigen Verhandlungen, doch sei der vorliegende Vorschlag der Regierung ein erster konkreter Ansatz. "Die großen Parteien können sich nicht vom Verhandlungstisch erheben", forderte er. Diese Reform sei eine ausreichende Staatsräson, um die Autonomen Gemeinschaften nicht weiter zu polarisieren. "Verhandeln und nachgeben", lautete sein einfaches Credo.

Als weitere Schwachstellen der regionalen Wirtschaft nannte er die geringe Größe vieler Unternehmen, Defizite in der Digitalisierung und im Management. Ohne stabile politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sei die Zukunftsfähigkeit gefährdet.