Valencias Fußballjugend kämpft sich zurück

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Valencias Fußballjugend kämpft sich zurück

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Vom Katastrophengebiet zum Sportplatz

Die Bilder von Ende Oktober 2024 sind in der Provinz Valencia tief verankert. Eine Sturzflut, ausgelöst durch das Unwetterphänomen DANA, forderte 234 Menschenleben und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Auch die Sportinfrastruktur wurde vielerorts zerstört, was für die betroffenen Gemeinden einen tiefen Einschnitt in den Alltag bedeutete. Für viele Kinder und Jugendliche war die Rückkehr auf den Fußballplatz nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern ein entscheidender Schritt zurück in ein normales Leben.

Wie der Nachrichtenagentur Europa Press berichtet wird, schildern Vereinsvertreter und Betroffene aus der Region den mühsamen Weg der Wiederaufbauarbeiten. Die Gespräche zeigen ein zwiespältiges Bild: Die Solidarität war überwältigend, die administrative und bauliche Bewältigung der Schäden dauert jedoch bis heute an.

Die Rückkehr als emotionale Befreiung

Für Alejandro, einen 18-jährigen Spieler des Catarroja CF, war das erste Training nach der Katastrophe ein befreiendes Erlebnis. Er beschreibt es als eine „alarmierende Freude“ und eine Art Schutzzone. Die Realität der zerstörten Heimatstadt holte ihn nach jedem Training wieder ein, doch der Moment auf dem Platz gab ihm und seinen Teamkollegen Halt. Diese seien „die Wände hochgegangen“, um endlich wieder spielen zu können.

Die Situation war jedoch alles andere als normal. Da das heimische Stadion unbespielbar war, wich die Mannschaft wochenlang auf unterschiedliche Plätze in der Umgebung aus. Alejandro erinnert sich an die psychisch belastende Erfahrung, jeden Tag vor einer anderen Kulisse zu spielen und nie ein festes Zuhause zu haben.

Kampf um Normalität in Benetússer

Pedro Aleixandre, Präsident des Unió Benetússer-Favara CF, blickt auf eine Zeit größter Unsicherheit zurück. Die Frage, ob und wie der Verein überleben würde, stand zunächst im Raum. Er lobt den enormen Zusammenhalt innerhalb des Klubs, von den Eltern über die Funktionäre bis hin zu den Spielern. Die finanzielle Hilfe des Regionalverbands FFCV und die Unterstützung benachbarter Gemeinden waren überlebenswichtig.

„Die sportliche Komponente trat in den Hintergrund“, sagt Aleixandre. Der Fokus lag auf Bewältigung und Organisation. Die Kinder spielten während der Krise sogar im Schlamm und in Pfützen, aus purer Freude am Spiel und dem Wunsch, die Katastrophe für einen Moment zu vergessen. Erst mit der Wiedereröffnung des sanierten Stadions im August 2026 kehrte der Verein endgültig in sein Zuhause zurück. Für den Klubchef war das ein Moment des Stolzes auf die eigene Gemeinde.

Trotz der Rückkehr sind nicht alle Wunden verheilt. Die sanitären Anlagen in den Umkleidekabinen sind noch immer nicht fertiggestellt. Aleixandre kritisiert die schleppenden Bauarbeiten und fordert eine Rückkehr zum Standard von vor der Flut. Der Verlust von sechs bis sieben Prozent der Spieler im ersten Jahr konnte jedoch kompensiert werden. Für die kommende Saison plant der Verein mit mehr als 20 Mannschaften und sieht sich personell sogar besser aufgestellt als zuvor.

Zwischen Alltag und Trauma

Bürgermeisterin Eva Sanz aus Benetússer bestätigt den positiven Effekt des Sports für die Gemeinschaft. Der regelmäßige Trainingsbetrieb helfe Kindern und Eltern gleichermaßen, den Kopf freizubekommen und den Alltag zu strukturieren. Gleichzeitig ist die Normalisierung mit Einschränkungen verbunden. Nicht nur die Umkleiden, sondern auch das Pabellón und die Vereinsgastronomie befinden sich noch im Wiederaufbau.

Die emotionalen Narben der Katastrophe sitzen tief. Sanz beschreibt, dass das Auslösen eines ES-Alert-Warnsignals bei vielen Bürgern immer noch Tränen und Angst auslöst. Man habe die Ereignisse nicht vergessen, arbeite aber daran, sie zu verarbeiten. Das örtliche Fußballfeld, das in den ersten Tagen nach der Katastrophe als Sammelpunkt für Fahrzeuge und Hausrat diente, ist heute wieder ein Symbol der Hoffnung und des Zusammenhalts. Die Gemeinde investiert in bessere und modernere Anlagen als vor der Flut, um die Zukunft des Vereins und seiner Mitglieder zu sichern. Die Aufbruchstimmung ist da, doch der Weg zur vollständigen Normalisierung ist für viele noch nicht abgeschlossen.

Quelle: Europa Press


Quelle: europapress.es

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