Unternehmen verkaufen mehr Wohnungen als sie kaufen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Unternehmen verkaufen mehr Wohnungen als sie kaufen

von Clara Weber

Unternehmen ziehen sich aus Wohnimmobilien zurück

Im vergangenen Jahr war jede zehnte verkaufte Wohnung in Spanien nicht im Besitz einer Privatperson, sondern eines Unternehmens. Doch diese juristischen Personen agierten verstärkt als Verkäufer: Sie erwarben 78.669 Immobilien, verkauften jedoch 123.777. Die Differenz von 45.108 Wohnungen spiegelt einen klaren Trend wider – Unternehmen ziehen Kapital aus dem Wohnimmobilienmarkt ab. Diese Entwicklung ist nicht ganz neu, wie Daten des Notariatsrats zeigen, hat sich aber seit der Pandemie verschärft.

Investmentfonds beenden ihren Zyklus

Ein Hauptgrund für diesen Rückzug liegt in der Strategie großer Investmentfonds. “Die meisten großen Fonds befinden sich bereits in der Desinvestitionsphase ihrer Portfolios”, erklärt Miguel Ángel Gómez Huecas, Präsident des spanischen und madrilenischen Immobilienverbands (Fadei/Amadei). Viele Fonds wie Blackstone waren während der Finanzkrise zu günstigen Konditionen eingestiegen und halten ihre Assets nur für einen begrenzten Planungshorizont. Nach über einem Jahrzehnt kehren sie nun ihren Anlegern das Kapital zurück. Robin Decaux, CEO der Investmentplattform Equito, bestätigt diesen Zyklus. Er spricht von einem Zeichen der “Reife” des Marktes, bei dem private Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die verkaufte Überzahl von Unternehmenswohnungen erreichte 2025 ihren niedrigsten Stand seit 2013, was auf eine langsame Normalisierung hindeutet.

Regulatorische Unsicherheit bremst Investitionen

Neben der natürlichen Abfolge von Investitionszyklen sorgt auch politisch geschaffene Unsicherheit für Zurückhaltung. Besonders deutlich wird dies in Katalonien, wo Mietpreisbremse und die Ausweisung angespannter Wohngebiete gelten. Die dortige Differenz zwischen Käufen und Verkäufen durch Unternehmen belief sich 2025 auf 12.010 Transaktionen – der zweithöchste Wert seit zwei Jahrzehnten. Alberto Martínez Lacambra vom Technologischen Zentrum des Notariats wies bei der Präsentation der Daten darauf hin, dass die starke Ausprägung in dieser Region “kein Zufall” sei. Die Schichtung immer neuer Regulierungen habe einen “Desinvestitionseffekt” produziert. Carlos Bajo, Managing Director der Beratung Laborde Marcet, warnt: “Aufgrund der regulatorischen Unsicherheit hat sich das operative Risiko erhöht.”

Kapital sucht neue Anlageformen

Trotz der aktuellen Entwicklung sehen Experten Spanien weiterhin als attraktiven Immobilienmarkt. Das Kapital verschwinde nicht, sondern lenke nur um, so Bajo. Es fließe vermehrt in andere Assetklassen wie Gewerbeimmobilien. Das strukturelle Problem des Wohnungsmangels und die damit verbundene Preisdynamik blieben hingegen bestehen. Die aktuelle Phase markiert somit weniger einen Kollaps, sondern eine Neuausrichtung des Marktes, angetrieben durch globale Finanzstrategien und lokale Regulierung.

Quellen: Daten des Consejo General del Notariado; Einschätzungen der Immobilienverbände Fadei/Amadei, der Plattform Equito und der Beratung Laborde Marcet.


Quelle: 20minutos.es

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