
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Katalanisch in der EU: Spaniens Antrag liegt auf Eis
Ein Jahr Stillstand für regionale Sprachen
Seit Juli 2025 hat die spanische Regierung keinen neuen Versuch mehr unternommen, die Anerkennung von Katalanisch, Baskisch und Galicisch als offizielle EU-Sprachen auf die Tagesordnung des Rates zu setzen. Wie aus EU-Kreisen verlautet, wurde das Thema sogar für die anstehende Sitzung in Luxemburg abgemeldet. Der Grund bleibt derselbe: Es fehlt die erforderliche Einstimmigkeit unter den 27 Mitgliedstaaten. In anderen europäischen Hauptstädten wird zudem angemerkt, dass angesichts der angespannten internationalen Lage andere Prioritäten vorlägen.
Ein langer Weg mit vielen Hürden
Der Antrag Spaniens geht auf ein politisches Abkommen aus dem Sommer 2023 zurück und wurde seither sieben Mal im Rat der EU vorgelegt – zuletzt unter dänischem Vorsitz im Juli 2025. Die aktuelle zyprische Ratspräsidentschaft endet, ohne dass Madrid einen weiteren Anlauf genommen hat. Das größte Hindernis ist die Befürchtung vieler Länder, ein Präzedenzfall für zahlreiche andere Regional- und Minderheitensprachen in der Union zu schaffen. Spanien hat versucht, diese Bedenken mit finanziellen Zusagen und einem gestuften Umsetzungsplan auszuräumen. So schlug die Regierung vor, die Sprachen zwar ab 2027 offiziell anzuerkennen, aber zunächst nur die wichtigsten EU-Rechtsakte zu übersetzen – etwa drei Prozent des Gesamtvolumens.
Juristische Bedenken und diplomatisches Patt
Trotz dieser Zugeständnisse bleiben mehrere Staaten skeptisch. Außenminister José Manuel Albares sprach zuletzt von sieben ablehnenden Ländern, andere Quellen berichten von etwa einem Dutzend Delegationen mit Vorbehalten. Besonders gewichtig ist die Position Deutschlands, das auf ein rechtliches Gutachten des Rats verweist. Demnach könnte für eine rechtssichere Anerkennung sogar eine Vertragsänderung nötig sein. Ein im Oktober vereinbarter bilateraler Dialog zwischen Madrid und Berlin führte zu keiner Annäherung. Nach einem Treffen der Außenminister im Mai bestätigte das deutsche Auswärtige Amt, dass die juristischen Zweifel fortbestünden.
Priorität oder Nebenschauplatz?
Für die spanische Regierung, insbesondere für Albares, bleibt die Sprachenfrage eine „Priorität“. In politisch angespannten Zeiten, etwa im Verhältnis zu katalanischen Parteien, gewinnt das Thema zusätzliches Gewicht. Doch viele EU-Partner teilen diese Einschätzung nicht. Wie ein Diplomat eines skeptischen Landes gegenüber 20minutos einräumte, falle es schwer, dieses Thema angesichts des Ukraine-Krieges und anderer globaler Krisen als vordringlich zu betrachten. Ein weiterer Diplomat aus einem prinzipiell unterstützenden Land hinterfragt, warum Madrid hier so viel politisches Kapital investiere, während andere europäische Großprojekte stocken.
Die Blockade zeigt: Selbst bei finanziellen Angeboten und rechtlichen Schutzvorkehrungen stößt der Wunsch nach mehrsprachiger Anerkennung in der EU auf grundlegende politische und strukturelle Grenzen.
Quelle: 20minutos.es