Der große Pakt: Mobilität gegen Millionen?

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Der große Pakt: Mobilität gegen Millionen?

von Sabine Keller

Ein Handel auf Makro-Ebene

Eine Woche Verkehrschaos, überfüllte Restaurants und aufgeblähte Hotelpreise im Tausch gegen 600 Millionen Euro und globale Strahlkraft – für John Hoffman, CEO der Veranstalterorganisation GSMA Ltd., ist das kein schlechter Deal. In einem Interview, das von El Periódico de Catalunya geführt und von Europa Press aufgegriffen wurde, stellt er die Rechnung für Barcelona klar: Der Mobile World Congress (MWC) projiziere das dortige Unternehmens-Ökosystem in die Welt und mache die Stadt für eine Woche zum “globalen Story” in Sachen Technologie, ähnlich wie Davos für die Politik. Die immateriellen Vorteile seien enorm: Tausende von Artikeln, internationale Besucher, die später als Touristen oder Geschäftspartner zurückkehren könnten.

Die Mikro-Perspektive: Störfaktor für den Alltag

Doch Hoffman macht keinen Hehl aus den Kehrseiten. Auf die Frage, wie der Kongress dem Durchschnittsbürger nütze, antwortet er unverblümt: Für manche sei er “wahrscheinlich” sowohl eine Unbequemlichkeit als auch ein Vorteil. “Seien wir ehrlich: Jemand, der im Poble-sec oder einem anderen Viertel wohnt, kann sagen, dass es ihm schadet und nicht hilft. Auf mikroskopischer Ebene hat er vielleicht völlig recht.” Seine Argumentation ist eine klassische Abwägung: Der individuelle Ärger wird dem kollektiven, volkswirtschaftlichen Nutzen untergeordnet. Dieser “sehr singuläre” Pakt zwischen dem MWC und allen staatlichen Ebenen hält – trotz des sozialen Unmuts.

Die umstrittene Expansion: Rüstung willkommen

Ein wachsender Kritikpunkt ist die zunehmende Sichtbarkeit von Rüstungsunternehmen auf der Messe. Hier zeigt Hoffman die Grenzen der ansonsten beschworenen “offenen Gemeinschaft” auf. Er betont, der MWC wolle keine Waffenmesse werden, rechtfertigt die Präsenz militärischer Aussteller jedoch mit bestehenden “länderspezifischen Bedürfnissen”. Solange ein Unternehmen nicht sanktioniert sei, sei es willkommen. Diese Haltung, die unter dem Deckmantel der technologischen Neutralität firmiert, markiert eine deutliche Ausweitung des Veranstaltungsprofils und stößt auf zivilgesellschaftlichen Widerstand.

Fazit: Ein Deal mit Unbehagen

Die Bilanz des MWC für Barcelona bleibt eine geteilte. Auf der einen Seite steht ein finanzieller und imageträchtiger Jackpot, der die Stadt für ein Jahrzehnt an die GSMA bindet – die Buchungen für 2027 laufen laut Hoffman bereits auf Rekordniveau. Auf der anderen Seite steht die Realität verstopfter Straßen und die ethische Frage, welche Industrien auf einer Technologiemesse Platz finden sollen. Hoffman argumentiert aus der Vogelperspektive des Global Players. Ob die Bewohner des Poble-sec dieser Perspektive zustimmen, ist eine andere Geschichte. Der Deal steht – aber das Unbehagen wächst mit.


Quelle: europapress.es

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