
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Streikfront: Lehrer ziehen den Protest in die Amtsstuben
Nicht mehr auf der Straße, sondern vor der Tür
Die Fronten sind verhärtet, der Dialog ist eine Fata Morgana. Nach einer „historischen“ Demonstration am vergangenen Freitag, die das Zentrum von Valencia in eine grüne Masse verwandelte, gehen die streikenden Lehrergewerkschaften nun einen Schritt weiter. Sie bringen den Protest nicht nur auf die Straße, sondern direkt vor die Büros der Verantwortlichen. Die Aktion wird zur Inszenierung einer systematischen Vernachlässigung.
STEPV, CSIF, CCOO und UGT haben eine neue Phase der Mobilisierung angekündigt. Ab Montag wird der Streik unbefristet und die Protestform gezielt. Die Strategie ist klar: Die symbolischen Orte der Macht – die Conselleria de Educación (Bildungsministerium) in Valencia, die Conselleria de Hacienda (Finanzministerium) sowie die territorialen Delegationen in Alicante und Castellón – werden zum Ziel einer kontinuierlichen Belagerung.
Die Forderung: Nicht nur Geld, sondern Würde
Die Gewerkschaften, die laut eigenen Angaben von ANPE unterstützt werden, argumentieren mit Zahlen, die keine Interpretation erlauben. Wie aus ihrem Kommuniqué bekannt wurde, liegt die regionale Gehaltskomponente der valencianischen Lehrer seit 2010 auf demselben Niveau. Damit sind sie, wie die Streikenden betonen, „am Ende der Gehaltsliste in Spanien“. Doch die Forderungen gehen weiter: Sie umfassen Investitionen in marode Infrastrukturen, die Senkung der Schüler-Lehrer-Relation und den Schutz der valencianischen Sprache.
Die Verwaltung, personifiziert durch den Generaldirektor für Lehrpersonal, Pablo Ortega, antwortet mit einem Mantra von „Serenität“ und „Dialog“. Seine Aussage, dass „keine der von den Gewerkschaften aufgeworfenen Fragen außerhalb der Verhandlungen steht“, steht jedoch im scharfen Kontrast zur Realität der letzten Mesa Sectorial (Sektorialtable). Dort war das von der Verwaltung vorgelegte Prä-Agreement laut Gewerkschaften so dürftig, dass es ihre Kernforderungen „nicht einmal zur Hälfte“ erfasste. Konkret: Es enthielt keine monetäre Angebot. Die Gewerkschaften haben deshalb für die nächste Verhandlung am 18. Mai eine klare Grenze gezogen: „Wenn nicht, müssen sie uns nicht anrufen.“
Eine Woche der gezielten Eskalation
Die Kalender der kommenden Woche sind ein Manifest der Enttäuschung und eine Blaupause für organisierten Druck:
- Montag, 15 Uhr: Mobilisierung vor der Conselleria de Educación in Valencia. Parallelaktionen in Alicante (IES Jorge Juan) und Castellón (Territorialdirektion für Bildung).
- Dienstag: Dezentrale Aktionen in verschiedenen Gemeinden und Regionen der Comunidad Valenciana.
- Mittwoch, 11-20 Uhr: Ein „offener Tag“ an der Conselleria de Educación in Valencia mit Rundtischgesprächen, Performances und Assemblies.
- Donnerstag, 10 Uhr: Konzentrationen im Umfeld von Les Corts (dem Regionalparlament) in Valencia sowie vor den Delegationen der Generalitat in Alicante und Castellón – zeitgleich zur Parlamentssitzung.
- Freitag, 12 Uhr: Die finale Demonstration startet an der Conselleria de Hacienda und endet auf der Plaza Manises, vor dem Palau de la Generalitat – dem Sitz der Regionalregierung. Wieder mit Parallelaktionen in Alicante und Castellón.
Diese chronologische Abfolge ist kein spontanes Aufbegehren, sondern eine kalkulierte politische Intervention. Sie versucht, den administrativen Tagesrhythmus zu unterbrechen und die physische Präsenz des Unmutes in die Zentren der Entscheidung zu tragen.
Der Kernkonflikt: Verhandlungs-Theater versus Realität
Die Gewerkschaften beschreiben die Haltung des Bildungsministeriums als eine, die das Lehrpersonal „verhöhnt“ und eine „echte Verhandlung“ ablehnt. Die Antwort der Administration – „wir respektieren das Recht auf Streik und Demonstration, aber wir werden vor, während und nach diesen Mobilisierungen weiter verhandeln“ – wirkt in diesem Licht wie eine ritualisierte Floskel. Sie unterstellt einen kontinuierlichen Prozess, wo die Gewerkschaften eine fundamentale Blockade sehen.
Die Lage ist paradox: Die Verwaltung proklamiert Dialog, während sie ein Prä-Agreement ohne konkrete Gehaltszusagen vorlegt. Die Gewerkschaften proklamieren eine „historische“ Mobilisierung, während sie keine Teilnehmerzahlen der letzten Großdemonstration veröffentlichen. Die Delegation der Regierung schätzte diese auf über 35.000 Personen.
Es ist der klassische Konflikt zwischen der Logik der Institution, die Zeit und Verfahren als Lösungsmittel sieht, und der Logik des Streiks, die durch Druck und Störung Ergebnisse erzwingen will. In Valencia scheint die erste Logik ihre Legitimität verloren zu haben. Die Lehrer fühlen sich nicht nur finanziell benachteiligt, sondern auch politisch ignoriert. Ihr Protest wandert daher von den Schulhöfen in die Amtsstuben – eine natürliche, wenn auch dramatische Eskalation eines endlosen Winters der Verhandlungen.
Quellen: Kommuniqué der Gewerkschaften STEPV, CSIF, CCOO, UGT; Angaben der Delegación del Gobierno zur Teilnehmerzahl; Aussagen von Pablo Ortega, Generaldirektor für Lehrpersonal, und Gewerkschaftsvertretern in der Mesa Sectorial.
Quelle: europapress.es