
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sportliche Teilhabe: Eine Frage des Geldes
22,2 Prozent der Familien können Sport nicht finanzieren
Eine aktuelle Untersuchung zeigt ein finanzielles Teilhabe-Problem in Spaniens Familien auf. Demnach sieht sich mehr als jede fünfte Familie (22,2 %) mit Kindern im Alter von 5 bis 18 Jahren außerstande, die Kosten für die sportliche Betätigung ihrer Kinder zu tragen. Hochgerechnet betrifft dies rund 987.000 Haushalte. Die Studie, die von der NGO Tod@s Juegan in Auftrag gegeben und von GfK España durchgeführt wurde, basiert auf 631 Online-Interviews mit Verantwortlichen für die Sportaktivitäten von 902 Minderjährigen und ist repräsentativ für über 4,4 Millionen Haushalte. Die Erhebung wurde im Mai 2026 durchgeführt.
Preisschwelle bei fünf bis zehn Prozent des Haushaltsbudgets
Die finanzielle Belastungsgrenze liegt für die meisten betroffenen Familien bei einem Anteil von fünf bis zehn Prozent des Haushaltsbudgets für den Sport. Bei 59,7 Prozent derjenigen, die den Sport bereits aufgegeben haben, war dieser Schwellenwert erreicht. Die durchschnittliche monatliche Gebühr für aktuell sporttreibende Kinder liegt bei 72,5 Euro. Familien, die die Aktivität einstellen mussten, zahlten im Schnitt zwar weniger (66 Euro), doch dieser Betrag stellte laut den Autoren der Studie eine "unhaltbare relative Belastung" dar. Für 44 Prozent der Aussteiger konkurrierte der Sport direkt mit Grundbedürfnissen des Haushalts.
Besonders vulnerable Gruppen: Mädchen und Alleinerziehende
Die Analyse identifiziert klare soziodemografische Muster. Überdurchschnittlich betroffen sind Haushalte mit nur einem Einkommen (50,8 % der Betroffenen) und insbesondere alleinerziehende Familien (28 %). Die größte Gruppe stellen Familien der unteren und mittleren Mittelschicht. Eine zentrale Erkenntnis ist die systematische Benachteiligung von Mädchen. Von den 1,3 Millionen Kindern, die aus finanziellen Gründen keinen Mannschaftssport betreiben können, sind 541.000 Mädchen. 59 Prozent aller Kinder, die noch nie Mannschaftssport ausüben konnten, sind weiblich.
Unterschiedliche Gründe für den Ausstieg
Die Studie zeigt zudem geschlechtsspezifische Dynamiken beim Abbruch der Sportkarriere. Für Mädchen ist der Preis oft die erste und entscheidende Hürde, noch bevor sie überhaupt in einem Verein ankommen. 40 Prozent der Mädchen, die nie beginnen konnten, nannten die Kosten als Haupthindernis. Bei Jungen lag dieser Wert bei 16,6 Prozent. Spezifische, teure Ausrüstung – wie etwa bei Gymnastik – wird von Mädchen 13-mal häufiger als Hindernis genannt. Bei Jungen hingegen ist nach dem zwölften Lebensjahr mangelnde Integration in die Mannschaft der Hauptausstiegsgrund (47,7 %). Jungen haben 3,5-mal häufiger Probleme mit Teamkollegen.
Folgen und Forderungen
Der Studienbericht warnt vor den konkreten Folgen des Sportabbruchs: weniger Bewegung, schlechtere soziale Einbindung, geringeres Selbstwertgefühl, mehr unbeaufsichtigte Zeit und ein negativer Einfluss auf die schulischen Leistungen. Angesichts dieser Ergebnisse fordert die hinter der Studie stehende Organisation einen garantierten Zugang zu jeder Sportart, Unterstützung bei der An- und Abreise sowie ein Monitoring des emotionalen Wohlbefindens der jungen Sportler.
Quelle: 20minutos.es