
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ein Aufständischer wird kaltgestellt
Der störende Zeuge wird ausgetauscht
Es ist ein alter Trick der Macht: Wenn dir ein Ermittler lästig wird, der zu viel fragt, zu laut spricht und dich in Verlegenheit bringt, dann änderst du die Zuständigkeiten. Genau das geschieht jetzt auf Kosten der Transparenz. Wie die Nachrichtenagentur und die Berichterstattung von 20minutos zeigen, überführt Verkehrsminister Óscar Puente die Untersuchungen der Zugunglücke von Adamuz und Gelida aus dem Januar diesen Jahres von der alten CIAF in die neu geschaffene Superbehörde für Unfallermittlung. Offizieller Grund: Die Verschmelzung von Eisenbahn-, See- und Flugunfallkommissionen zu einer einzigen, unabhängigen Autorität. Der tatsächliche Grund: Man will Iñaki Barrón loswerden.
Ein unbequemer Ingenieur
Barrón, Präsident der CIAF, ist in den Augen des Ministeriums ein „díscolo“ – ein Aufständischer. Sein Verbrechen: Er hat seine Arbeit ernst genommen. Bereits elf Tage nach dem Unglück von Adamuz gab er eine ungewöhnlich öffentliche Interview, in dem er andeutete, dass Adif und das Ministerium möglicherweise eine unzureichende Sanierung der Gleise als „Kompletterneuerung“ verkauft hätten. Er berichtete von einem Gespräch mit Puente, der ihm angeblich „völlige Freiheit“ zugesichert hatte – nur um sich dann öffentlich überrascht zu zeigen, dass Barrón diese Freiheit auch nutzte. Der Ingenieur zog sich damit den Zorn des Ministers zu, der lieber hinter verschlossenen Türen verhandelt, als öffentlich über Sicherheitsmängel zu diskutieren.
Eine Kaskade der Verzögerung
Die von Barrón angeführte Kommission hatte mit eklatanten Hindernissen zu kämpfen: kein geeignetes Labor für die Analyse der Schienenbrüche, keine Gutachter, monatelange Verzögerungen. Die Ermittler der CIAF waren es auch, die die Guardia Civil darauf hinwiesen, dass Adif offenbar Beweismaterial (Schienenteile) vom Unglücksort entfernt hatte – ein Vorgang, der die richterliche Untersuchung behinderte. All das spricht nicht für Barróns Inkompetenz, sondern für die systematische Blockade seiner Arbeit durch die Institutionen, die er eigentlich kontrollieren sollte. Nun übergibt er die Akten ohne abgeschlossene Metallurgieanalyse – ein Armutszeugnis für die Unabhängigkeit der technischen Ermittlung.
Der unabhängige Staatsanwalt war keiner
Dass die neue Behörde, die ab Juli die Fälle übernimmt, dieses Problem lösen wird, ist mehr als fraglich. Dass ausgerechnet der Minister, der Barróns Vorgehen öffentlich als „überraschend“ kritisierte, die Federführung bei dieser Neuordnung hat, spricht Bände. Es geht nicht um Effizienz, sondern um Kontrolle. Man tauscht einen kritischen Geist gegen ein Gremium von Wohlverhaltens-Experten. Die Bürger haben einen Anspruch darauf zu erfahren, warum ein Zug entgleist – nicht darauf, dass die Verantwortlichen rechtzeitig die Ermittler austauschen, bevor sie unangenehme Wahrheiten ans Licht bringen. Die eigentliche Untersuchung, ob der Bruch einer Schweißnaht oder eine gefälschte Sanierungsbilanz die Ursache war, wird jetzt in den Händen derer liegen, die sie am liebsten unter Verschluss halten.
Quelle: 20minutos.es, „Puente transferirá en días las investigaciones de Adamuz y Gelida del 'díscolo' presidente de la CIAF a la nueva autoridad sobre accidentes“, 14. Juli 2025.
Quelle: 20minutos.es