Haushaltsplan 2027: Einigkeit gegen Sánchez

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Haushaltsplan 2027: Einigkeit gegen Sánchez

von Jonas Beck

Ein Plan ohne Mehrheit

Die spanische Regierung hat mit der Ankündigung eines neuen Haushaltsentwurfs für 2027 ein seltenes politisches Phänomen ausgelöst: Sowohl die konservative Opposition als auch die linken Koalitionspartner lehnen das Vorhaben geschlossen ab. Nach drei Jahren ohne verabschiedete Staatsausgaben sehen Beobachter den Vorstoß als reine Ablenkungsstrategie – weg von Korruptionsvorwürfen und hin zu einem Wahlkampfszenario.

Wie 20minutos berichtet, werfen alle relevanten Akteure der Regierung vor, ein Scheinmanöver zu inszenieren. Der Haushaltsentwurf sei unter den gegebenen Umständen nicht realisierbar und diene lediglich als politische Bühne.

Geschlossene Front von rechts bis links

Die ablehnende Haltung zieht sich konsequent durch das gesamte politische Spektrum. Der Volkspartei (PP) zufolge inszeniere die Regierung eine bloße "Pantomime". Der nationale Sprecher Borja Sémper bezeichnete die Ankündigung als "irrealisierbar" und sprach von einem "Teatrillo". Die Konservativen sehen darin eine "Wahlhebel", der die bevorstehenden vorgezogenen Neuwahlen vorbereiten solle. Auch die von der PP regierten Regionen verweigerten im Finanz- und Steuerrat (CPFF) die Zustimmung zu den Defizitgrenzen, die die Regierung als Grundlage des Haushalts ansetzt. Hacienda hatte einen maximalen Fehlbetrag von 0,1 Prozent des BIP vorgeschlagen – die konservativen Regionalchefs bezeichneten dies als "Paripé".

Vox schließt sich der Kritik an: Das Ziel sei die Verlängerung der "Agonie" und die Ablenkung von den laufenden Korruptionsermittlungen. Der nationale Sprecher José Antonio Fúster forderte ein Ende der "Theaterei". Die Bürger seien erschöpft und forderten Neuwahlen.

Misstrauen der Koalitionspartner

Besonders deutlich fällt die Kritik von Podemos aus. Die Partei wiederholt seit Monaten, die Legislatur sei "tot". Der Organisationssekretär Pablo Fernández erklärte, Sánchez sei bekannt, dass der Plan keine Zustimmung finden werde. Der Haushaltsentwurf diene als "Ausrede" für eine Neuwahl im ersten Quartal 2027 – genau jenen Zeitpunkt, den auch regionale Parteien wie PNV und Junts befürworteten. Diese Entscheidungen erzeugten lediglich "Frustration und falsche Hoffnungen".

Sumar, der engste Koalitionspartner, zeigt sich nicht weniger skeptisch. Der Koordinator der IU, Antonio Maíllo, warnte Sánchez ausdrücklich davor, den Haushaltsprozess für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen: "Das wäre ein Betrug an der Bürgerschaft." Maíllo betonte, jede Regierung sei verpflichtet, Haushalte mit dem ehrlichen Willen zur Verabschiedung vorzulegen. Eine bloße Inszenierung sei eine "Frivolität".

Sogar ERC, obwohl in der Vergangenheit kompromissbereit, zweifelt an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens. Ihrem Kongresssprecher Gabriel Rufián zufolge sei es "Unsinn, auszuharren, ohne etwas zu bewegen". Parteiquellen räumen ein, dass der Haushaltsplan als Wahlkampfplattform genutzt werden könnte.

Fehlende Mehrheit und möglicher Fahrplan

Die schlechten Aussichten auf eine Verabschiedung werden durch konkrete Voten im Kongress untermauert. Vergangene Woche stimmte eine breite Mehrheit – bestehend aus PP, Vox, UPN, Coalición Canaria und Junts – für eine PP-Initiative, die Sánchez zum Rücktritt oder zur Vertrauensfrage auffordert. Der Antrag hatte zwar keine juristische Bindung, zeigt aber die Isolation der Regierung. Junts selbst bezeichnete den Haushaltsplan als "Science-Fiction" und als Falle, um Sánchez weitere sechs Monate im Amt zu halten.

Die Regierung hält am eingangs vorgesehenen Zeitplan fest: Der Entwurf soll vor Oktober im Kongress eingebracht werden. Am heutigen Dienstag könnte das Kabinett die Stabilitätsziele für 2027–2029 sowie die Ausgabenobergrenze für 2027 verabschieden. Parlamentsquellen erwarten eine außerordentliche Plenarsitzung am 14. Juli zur Debatte.


Quelle: 20minutos.es