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Vermieter verdienen viermal mehr als Mieter
Einkommensschere im spanischen Mietmarkt
Die Position auf dem Wohnungsmarkt bestimmt in Spanien die Einkommens- und Vermögensverhältnisse maßgeblich. Wie das spanische Verbraucherministerium in Zusammenarbeit mit dem CSIC in einem aktuellen Bericht mitteilt, klafft eine tiefe Kluft zwischen Mietern und Vermietern. Die Untersuchung stützt sich auf die Daten der Encuesta Financiera de las Familias der Banco de España.
Vierfaches Einkommen für Mehrfachvermieter
Haushalte, die zur Miete wohnen, verfügen über ein medianes Jahreseinkommen von rund 21.335 Euro. Demgegenüber stehen Vermieter mit zwei oder mehr Mietobjekten: Sie erzielen ein medianes Jahreseinkommen von 80.375 Euro – fast das Vierfache der Mieter. Auch Vermieter mit nur einer Wohnung liegen mit 50.959 Euro Jahreseinkommen mehr als doppelt so hoch wie die Mieter. Zum Vergleich: Eigentümer, die ausschließlich in ihrer eigenen Immobilie leben, haben ein medianes Jahreseinkommen von 32.120 Euro.
Vermögensunterschiede noch gravierender
Noch deutlicher zeigen sich die Unterschiede beim Nettovermögen. Mieter besitzen im Median lediglich 2.217 Euro. Bei reinen Selbstnutzern sind es 193.919 Euro, bei Vermietern einer Wohnung 407.975 Euro. Mehrfachvermieter mit zwei oder mehr Objekten kommen auf ein medianes Nettovermögen von 996.826 Euro – das 450-fache der Mieter. Der Bericht hebt hervor, dass die Stellung im Wohnungsmarkt einen stärkeren Einfluss auf die Ungleichheit habe als klassische Faktoren wie Alter oder Einkommen. So liege die Einkommensdifferenz zwischen 45- bis 54-Jährigen und über 74-Jährigen mit rund 14.500 Euro unter der Schere zwischen Mietern und Vermietern.
Junge Mieter, nicht nur junge Menschen
Die Forscher um Javier Gil vom CSIC betonen: „Junge Menschen haben nicht weniger Vermögen, weil sie jung sind, sondern vor allem, weil sie zur Miete wohnen.“ Die Vermögenslücke der jungen Bevölkerung sei weniger eine Generationsfrage als vielmehr eine Folge der erschwerten Eigentumsbildung. Der Bericht weist auf einen langfristigen Trend hin: Lebten 2011 noch knapp 70 Prozent der unter 35-Jährigen im eigenen Haus, waren es 2022 nur noch 31,8 Prozent.
Verstärkung durch steigende Mieten
Das Verbraucherministerium warnt vor einem Teufelskreis: Steigende Mieten und Immobilienpreise seien nicht neutral, sondern begünstigten vor allem Eigentümer und benachteiligten Mieter. Diese müssten immer mehr Einkommen für Miete aufwenden, blieben ohne Sparmöglichkeit und könnten so seltener in die Eigentumsbildung einsteigen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Konzentration des Wohnungsvermögens auf die reichsten zehn Prozent von 34,5 auf 41,9 Prozent erhöht.
Politische Konsequenzen
Die Autoren des Berichts sehen dringenden Handlungsbedarf. Quellen im Ministerium von Pablo Bustinduy unterstreichen die Notwendigkeit der geplanten außerordentlichen Verlängerung von Mietverträgen. Diese Maßnahme, Teil eines größeren Wohnungspakets der Regierung, war im März bereits verabschiedet, aber im Kongress am Veto von Junts, PP und Vox gescheitert. Die Neuauflage soll noch im Juli im Rahmen eines Makro-Dekrets beschlossen werden.
Quelle: 20minutos.es