Spaniens widersprüchliche Asylbilanz

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Spaniens widersprüchliche Asylbilanz

von Clara Weber

Schutzquote bricht ein, Bearbeitung steigt rasant

Während die Behörden in Spanien ihre Effizienz bei der Bearbeitung von Asylanträgen im vergangenen Jahr deutlich steigerten, wurde immer seltener internationaler Schutz gewährt. Laut dem aktuellen Jahresbericht der Spanischen Flüchtlingshilfe-Kommission (CEAR) wurden 2025 zwar 160.663 Anträge entschieden – ein Plus von 67 Prozent gegenüber 2024. Die Anerkennungsquote jedoch sank von 18,5 auf nur noch 11,2 Prozent. Das bedeutet, dass lediglich etwa jede neunte Asylentscheidung positiv ausfiel.

Diese Quote stellt Spanien innerhalb der Europäischen Union an drittletzter Stelle, nur vor Kroatien und Zypern. Wie aus dem Bericht hervorgeht, liegt das Land damit meilenweit unter dem EU-Durchschnitt von 35 Prozent positiver Bescheide.

Gründe für die restriktive Praxis

Die Organisation führt diese Entwicklung auf eine restriktive Handhabung durch das Innenministerium zurück. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Praxis mit sogenannten „sicheren Herkunftsländern“. Antragstellenden aus diesen Staaten werde systematisch der Schutz verwehrt, kritisiert CEAR. Zur Liste dieser Länder gehören laut EU auch Staaten wie die Türkei, Kolumbien, Ägypten oder Tunesien, in denen die Menschenrechtslage nach Ansicht der Flüchtlingshilfe gravierende Defizite aufweist.

Hinzu komme, dass in Spanien parallel der Weg über das Ausländerrecht offenstehe. Dies führe dazu, dass das Asylrecht selbst sehr eng ausgelegt werde, wie CEAR erklärt.

Neue EU-Regeln und gefährliche Entwicklungen

Die Kritik richtet sich auch gegen den neuen europäischen Kurs. Das am vergangenen Freitag in Kraft getretene EU-Migrations- und Asylpaket birgt nach Ansicht der Organisation erhebliche Risiken für die Rechte von Geflüchteten. Besonders problematisch sei die geplante gemeinsame Liste sicherer Herkunftsstaaten und das künftige Rückführungsregelung, welches lange Haftzeiten und Abschiebungen in Drittstaaten ohne vorherige Bindung der Person vorsieht – ein Modell nach italienisch-albanischem Vorbild.

„Spanien hat noch Spielraum, um die Umsetzung des Pakets rechtskonform zu gestalten. Die Regierung muss sich zum Grundsatz der Nicht-Zurückweisung verpflichten, den Zugang zu Rechtsberatung, Information und qualitativer Dolmetschung gewährleisten“, forderte Mónica López, die Direktorin von CEAR, bei der Präsentation des Berichts.

Weniger Ankünfte, weniger Anträge – mehr globale Krisen

Erstmals seit einem Jahrzehnt ist die Zahl der neu gestellten Asylanträge in Spanien gesunken, um 13,7 Prozent auf 144.396. Dies führt CEAR vor allem auf eine „erhebliche“ Reduzierung der Ankünfte auf den Kanarischen Inseln zurück – ein Minus von 62 Prozent. Ursache seien Abkommen mit Drittstaaten zur Migrationskontrolle sowie das neue Ausländergesetz (Reloex), das Fristen verkürzt, aber Wartezeiten während des Asylverfahrens nicht für spätere Aufenthaltstitel anrechnet.

Dennoch bleibt Spanien das drittmeist betroffene EU-Land nach Deutschland und Frankreich. Mit Abstand die meisten Anträge stellten weiterhin Menschen aus Venezuela (85.413), gefolgt von Mali. Die größten Fluchtbewegungen weltweit gingen 2025 von Afghanistan, Syrien, der Ukraine, Sudan und der Region Gaza aus.

CEAR warnt, dass trotz eines leichten globalen Rückgangs der Zahl Vertriebener auf 117,5 Millionen die Schutzbedürfnisse nicht ab-, sondern zunähmen. Konflikte, politische Instabilität und die Klimakrise verschärften sich weiter. Durch restriktive Politiken würden Millionen Menschen dazu verdammt, an Orten zu überleben, an denen ihr Leben in ernsthafter Gefahr sei.


Quelle: 20minutos.es