
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Renfe vertagt Rettungsplan für Andalusien-Strecke
Ein Zugunglück, ein Veto, ein Vakuum
Es ist ein fatales Signal an alle Pendler und Urlauber: Während die Trasse zwischen Madrid und Andalusien nach dem schweren Unfall bei Urda noch immer blockiert ist, lässt sich der staatliche Bahnkonzern Renfe nun auch noch von einer Gewerkschaft vorführen. Der geplante Ersatzverkehr, der ab Freitag hätte rollen sollen, wird verschoben. Der Grund ist keine technische Panne, sondern ein Formularstreit mit dem Eisenbahnerverband Semaf.
Das Diktat der 96-Stunden-Regel
Renfe argumentiert, man habe „weiterhin an einer Lösung gearbeitet" – doch das klingt nach hilfloser Betriebsblindheit. Semaf pocht auf die strikte Einhaltung der reglementarischen Vorlaufzeit von 96 Stunden für die Änderung von Dienstplänen. Ein bürokratisches Detail, das nun dazu führt, dass tausende Reisende bis mindestens Dienstag, den 3. November, keine verlässliche Alternative geboten bekommen. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Unternehmen, das für die Mobilität eines ganzen Landes verantwortlich ist, scheitert an der eigenen Unfähigkeit, Krisenpläne rechtzeitig in der Schublade zu haben.
Statt Flexibilität und Pragmatismus erleben die Fahrgäste derzeit eine Gemengelage aus Starrsinn und Juristerei. Die Gewerkschaft mag formal im Recht sein – doch wer in einer Notlage auf Paragrafentreue beharrt, stellt sich selbst bloß. Es wäre die Aufgabe des Managements gewesen, hier längst eine Sonderregelung auszuhandeln oder den Notfallplan bereits Tage früher anzustoßen. Dass nun ausgerechnet die Betroffenen die Zeche zahlen, ist ein Armutszeugnis.
Warten auf den Fahrplan
Bis zum 3. November will Renfe nun das finale Konzept mit Zeiten, Routen und verfügbaren Diensten vorlegen. Das ist mehr als dürftig. In einer Zeit, in der Digitalisierung und Agilität die Schlagwörter der Stunde sind, agiert der Konzern wie in den 1980er-Jahren: Man informiert, man vertröstet, man hofft auf Nachsicht.
Derweil bleibt die Frage unbeantwortet, warum es nicht möglich ist, zumindest provisorische Busse oder alternative Zugverbindungen über das konventionelle Netz einzurichten. Andere Länder hätten längst ein Nothilfepaket geschnürt. Hierzulande scheint man sich in Zuständigkeiten zu verheddern, während die Uhr tickt und die Fahrgäste vor den Schaltern stehen.
Ein Weckruf für die Schienenpolitik
Dieser Vorgang ist mehr als eine Fußnote im Betriebsablauf. Er offenbart ein strukturelles Problem: Renfe ist in der Krise nicht handlungsfähig. Die Blockadehaltung von Semaf und die zähe Reaktion des Konzerns sind zwei Seiten derselben Medaille – einer Medaille, die den Namen „Stillstand" trägt.
Es braucht endlich klare Vereinbarungen für den Katastrophenfall, die nicht erst nach einem Unglück ausgehandelt werden müssen. Die Reisenden haben einen Anspruch auf eine funktionierende Alternative – und nicht auf ein Datum, das sich an Verwaltungsvorschriften orientiert, statt an den Bedürfnissen der Menschen.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, soll die endgültige Information der Nutzer erst unmittelbar vor dem geplanten Start erfolgen. Ein schwacher Trost für all jene, die zwischen Madrid und Andalusien festsitzen – und ein weiteres Kapitel in der Leidensgeschichte des spanischen Schienenverkehrs.
Quelle: europapress.es