
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Polizei identifiziert Tausende bei Blocus-Protesten
Massenkontrolle nach Krawallen
Die katalanische Innenministerin Núria Parlon hat neue Zahlen zu den polizeilichen Maßnahmen gegen die jüngsten Mobilisierungen vorgelegt. Demnach wurden bei den sogenannten Blocus-Aktionen am vergangenen Samstag in Barcelona und weiteren Städten Kataloniens insgesamt 2.264 Personen identifiziert. Wie Parlon in einem Interview mit dem Sender Catalunya Ràdio erklärte, entfielen 1.800 dieser Identifizierungen auf die autonome Polizei Mossos d'Esquadra, weitere 464 auf die städtische Guardia Urbana.
Aufgebot mit über 500 Beamten
Die Ministerin verteidigte den Großeinsatz, an dem mehr als 500 Polizeikräfte beteiligt waren, als notwendige Reaktion auf die schweren Ausschreitungen der Vorwoche. Man habe ein klares Signal senden müssen, dass sich solche Krawalle nicht wiederholen dürften. Neben den Identifizierungen verzeichneten die Behörden 181 Anzeigen wegen der Beschlagnahmung gefährlicher Gegenstände wie Steinen oder Sprühdosen.
Gezielte Kontrollen im ÖPNV
Parlon betonte, dass es sich bei den Blocus-Aufrufen nicht um normale Demonstrationen handele, weshalb die Polizeitaktik grundlegend anders ausfallen müsse. Besondere Bedeutung komme dabei den Kontrollen im öffentlichen Nahverkehr zu, da man mit einer Anreise junger Teilnehmer aus anderen Teilen der Region rechne. Die Ministerin wies zugleich den Vorwurf zurück, die Maßnahmen hätten das Geschäftsleben in der Innenstadt lahmgelegt. Ziel sei die Aufrechterhaltung von Normalität gewesen, auch wenn viele Geschäfte vorsorglich geschlossen blieben.
Kritik an Identifizierungspraxis
Auf die Frage nach möglichen ethnischen Kriterien bei den Kontrollen reagierte Parlon mit deutlichen Worten. Angesichts der Ereignisse der Vorwoche sei eine solche Unterstellung unangemessen. Die Polizei habe sich vielmehr an den Verhaltensempfehlungen orientiert, die in den entsprechenden Online-Plattformen für die Teilnehmer verbreitet wurden. Das Profil sei eindeutig gewesen: überwiegend Minderjährige mit bestimmter Kleidung.
Besondere Sorge äußerte die Ministerin über das junge Alter einiger Identifizierter, die zum Teil noch keine zwölf Jahre alt waren. Sie appellierte an die Verantwortung der Familien. Unter den Kontrollierten befanden sich demnach auch Wiederholungstäter, etwa ein Jugendlicher aus Mollet del Vallès, der bereits an den vorangegangenen Plünderungen in Barcelona beteiligt gewesen sein soll.
Appell an Plattformbetreiber
Für die kommenden Wochen kündigte Parlon eine fortgesetzte Überwachung der sozialen Netzwerke an. Zugleich forderte sie die Plattformbetreiber zu mehr Eigenverantwortung auf. Bereits am Freitag habe es ein Treffen gegeben, bei dem man die Unternehmen aufgefordert habe, derartige Mobilisierungswellen zu unterbinden und entsprechende Kanäle zu schließen. Dies sei auch eine Frage des eigenen Ansehens.
Quelle: europapress.es