Nationaler Impfplan für Neuankömmlinge

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Nationaler Impfplan für Neuankömmlinge

von Jonas Beck

Einheitliche Impfpraxis für alle Regionen

Die spanische Gesundheitspolitik reagiert auf eine erkennbare Lücke im Präventionsnetz: Menschen, die ohne regulären Aufenthaltsstatus nach Spanien einreisen, erhalten künftig einen garantierten und vereinheitlichten Zugang zu Kernimpfungen. Wie aus einem Beschluss der Comisión de Salud Pública hervorgeht, den das Gesundheitsministerium unter Ministerin Mónica García diese Woche veröffentlichte, sollen alle autonomen Gemeinschaften ein identisches Vorgehen bei der Impfung von Migranten und Flüchtlingen anwenden. Kernziel ist es, eine erste Schutzimpfung „so bald wie möglich“ und idealerweise innerhalb der ersten drei Wochen nach Ankunft im Land zu verabreichen.

Priorisierung aufgrund epidemiologischer Risiken

Die Strategie listet konkrete Prioritäten auf. Besonderes Gewicht liegt auf der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), gegen Poliomyelitis sowie gegen Tetanus und Diphtherie. Diese Auswahl, so die Begründung im Ministeriumsdokument, erfolge angesichts der aktuellen epidemiologischen Lage. Explizit genannt werden der Anstieg von Masernausbrüchen sowie die Notwendigkeit, den Schutz vor Polio aufrechtzuerhalten – einer Krankheit, die sich in der Eradikationsphase befinde. Die Maßnahme richtet sich vorrangig an Personen, die unter das Programm der Humanitären Betreuung fallen.

Überwindung von Zugangsbarrieren

Die Notwendigkeit des Plans wird mit mehreren strukturellen Hindernissen begründet. Viele der betroffenen Personen kämen aus Ländern mit niedrigeren Durchimpfungsraten oder geschwächten Gesundheitssystemen. In Spanien selbst erschwerten dann hohe Mobilität, administrative Hürden sowie sprachliche und kulturelle Barrieren den Zugang zu kompletten Impfschemata. Ein vor wenigen Wochen vom Gesundheitsministerium veröffentlichter Bericht hatte bereits auf eine insgesamt geringere Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen durch die Migrationsbevölkerung hingewiesen, trotz eines im Allgemeinen guten Gesundheitszustands bei Ankunft.

Praktische Umsetzung und spezifische Gruppen

Für die praktische Durchführung sieht der Plan klare Verfahren vor. Bei Vorlage eines lesbaren Impfausweises oder Zertifikats werden die darin verzeichneten Dosen anerkannt. Fehlt dieser Nachweis oder bestehen Zweifel an seiner Vollständigkeit, wird die Durchführung der notwendigen Impfungen empfohlen – unter Verweis auf das hohe Sicherheitsprofil der Standardimpfungen. Bei längerem Aufenthalt soll der komplette spanische Impfkalender inklusive saisonaler Grippeimpfung für Risikogruppen vervollständigt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt Erwachsenen und Jugendlichen, da für sie die Zugangswege weniger etabliert sind als für Kinder oder Schwangere. Für Letztere wird eine prioritäre Überweisung in die reguläre Primärversorgung und die Betreuung durch eine Hebamme empfohlen. Für immun supprimierte Personen ist eine individuelle Evaluierung im öffentlichen Gesundheitssystem vorgesehen. Bei Kindern unter fünf Jahren ohne Nachweis über eine Hepatitis-A-Impfung wird diese aufgrund des erhöhten Übertragungsrisikos in Gemeinschaftsunterkünften ebenfalls empfohlen.

Basierend auf Dokumenten des spanischen Gesundheitsministeriums und einem Beschluss der Comisión de Salud Pública.


Quelle: 20minutos.es