
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Murcia setzt auf ökologische Nische
Mehr als nur Landschaft: Murcia positioniert sich neu
Während andere spanische Regionen weiterhin auf Massentourismus setzen, schlägt Murcia einen anderen Weg ein: Regenerativer Tourismus statt bloßer Besucherrekorde. Beim VIII. Nationalen Ökotourismus-Kongress Ende Oktober in Liébana (Kantabrien) präsentierte das regionale Tourismusinstitut (Itrem) gemeinsam mit der Direktion für Naturerbe und Klimaschutz eine klare Botschaft: Naturerlebnis und Arterhaltung sind kein Widerspruch, sondern die Zukunft.
Das ist mehr als ein nettes Beiwerk für Imagebroschüren. Es ist eine strategische Antwort auf den schleichenden Verschleiß beliebter Urlaubsziele, die unter ihrem eigenen Erfolg ächzen. Wer Ökotourismus ernst nimmt, muss bereit sein, Besucherströme zu lenken, Qualität über Quantität zu stellen - und lokale Akteure zu stärken. Genau das will Murcia mit gezielten Zertifizierungen erreichen. Der Kongress bot dafür die richtige Bühne, um mit Fachleuten aus ganz Spanien Erfahrungen auszutauschen und Initiativen anderer Territorien zu sondieren.
Zwei Leuchttürme: Sierra Espuña und das Ricote-Tal
Im Zentrum der murcianischen Präsentation standen zwei Landschaften, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber dasselbe Ziel verfolgen. Sierra Espuña, das historische Aufforstungsgebiet, hat sich mit 14 Unternehmen, die das Siegel „Soy Ecoturista“ tragen, und sieben weiteren in der Bewerbungsphase zur Hochburg des nachhaltigen Tourismusentwickelt. Das Ricote-Tal, bekannt für seine Palmengärten und die von Mauren und Christen geprägte Kulturlandschaft, zieht mit acht zertifizierten Betrieben nach.
Die Zahlen mögen bescheiden wirken im Vergleich zu Küstenhochburgen. Doch genau darin liegt die Stärke des Konzepts: kontrolliertes Wachstum, Einbindung der lokalen Wirtschaft und ein klares Bekenntnis zur Biodiversität. Wer hier Kritik übt und auf schnelle Rendite pocht, verkennt den Wert von Authentizität. Der Urlauber von morgen sucht keine Bettenburgen, sondern Erlebnisse mit Haltung.
„Llena tu mochila de vida“ – ein Versprechen mit Anspruch
Bereits auf der Fitur 2026 sorgte die regionale Kampagne „Llena tu mochila de vida“ (Füll deinen Rucksack mit Leben) für Aufsehen. Dahinter steht ein Bündel an Erfahrungen, die Genuss und Naturschutz verbinden – mit besonderem Fokus auf Biodiversität und der Rolle kleiner, oft familiengeführter Betriebe. Es ist ein Versprechen mit Anspruch: Wer in Murcia auf Wanderschuhen oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, soll die Natur nicht nur konsumieren, sondern zu ihrem Erhalt beitragen.
Diese Ausrichtung ist kein Modetrend, sondern eine Notwendigkeit. Der Klimawandel setzt Ökosysteme unter Druck, und Tourismuskonzepte von gestern laufen ins Leere. Murcia zeigt mit der Teilnahme am Kongress, dass es den Diskurs nicht dem Zufall überlässt. Die Region will Vorreiter sein – nicht in der Vermarktung, sondern in der Verantwortung. Ob das gelingt, wird sich an der Umsetzung messen lassen. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, und er ist richtig. Wie das Institut für Tourismus der Region Murcia (Itrem) berichtet, war der Austausch mit anderen Regionen ein zentraler Gewinn des Treffens in Liébana.
Quelle: europapress.es