
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Morenos Zittern um Fátima Báñez
Ein Schock für die politische Elite
Es sind Bilder und Nachrichten, die man nicht mehr loswird. Ein scheinbar normaler Mittwochmorgen wird zur Katastrophe, als bei Urda in der Provinz Toledo ein Hochgeschwindigkeitszug der Renfe mit einem anderen Zug kollidiert. Die Bilanz ist verheerend: mindestens 68 Tote, Dutzende Verletzte. Inmitten des Chaos und der schieren Ungewissheit richtet sich der Blick eines ganzen Bundeslandes auf eine Frau: Fátima Báñez.
Juanma Moreno, der geschäftsführende Präsident der Junta de Andalucía, kämpft in einer institutionellen Erklärung sichtlich mit den Emotionen. Seine Worte sind nicht die eines distanzierten Politikers, sondern die eines Freundes, der um einen Menschen bangt. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dieses Leiden, nichts von ihr zu hören, mich nicht besonders trifft", gesteht er. Der Grund dafür ist erschütternd simpel und gleichzeitig von beklemmender Ironie: Báñez nahm den Zug, "um uns am Tag der Unternehmen in Sevilla zu begleiten".
Eine Reise, die nie hätte stattfinden sollen
Man stelle sich die Situation vor: Die Ex-Ministerin und heutige Präsidentin der CEOE-Stiftung wollte an der feierlichen Veranstaltung der andalusischen Unternehmervereinigung (CEA) in Andalusien teilnehmen – ein Termin voller Symbolik und Networking. Stattdessen sitzt sie nun in einem der zerstörten Waggons des Iryo-Zuges, der mit dem AVE kollidierte. Wie europapress unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, saß Báñez in genau diesem Zug – dem epizentrum des Grauens.
Morenos Worte sind ein einziger Ausdruck der Hilflosigkeit. Er spricht von der "enormen Angst" derjenigen, die auf Nachrichten von ihren Liebsten warten. "Wie soll ich das vergessen? Wie sollen wir die Opfer und ihre Eltern, Mütter, Ehefrauen und Ehemänner, Söhne und Töchter vergessen?", fragt er in einer Rhetorik, die unter die Haut geht. Und er verspricht: "Ihr werdet uns an eurer Seite haben." Ein Satz, der in solchen Momenten mehr wert ist als jede politische Sonntagsrede.
Ein Schicksal, das polarisiert
Dass ausgerechnet Báñez in diese Katastrophe geraten ist, hat eine besondere Brisanz. Die in Huelva geborene Politikerin ist keine Unbekannte in der spanischen Geschichte. Als Arbeitsministerin unter Mariano Rajoy von 2011 bis 2018 war sie das Gesicht der umstrittenen Arbeitsreform von 2012. Eine Reform, die von den Gewerkschaften erbittert bekämpft wurde und einen Generalstreik auslöste. Ihre politische Karriere beendete sie 2019, um in die Privatwirtschaft zu wechseln – als unabhängiges Vorstandsmitglied bei Rovi und externe Beraterin bei Iberdrola.
Ihre Rückkehr ins Rampenlicht erfolgt nun unter denkbar tragischen Umständen. Der Arbeitgeberverband CEOE hat in den sozialen Netzwerken seine "Bestürzung" über das Unglück ausgedrückt und seine Unterstützung für die Opfer und Familien zugesichert. Doch das ist nur ein schwacher Trost, wenn die eigene Präsidentin möglicherweise unter den Opfern ist.
Zwischen Hoffen und Bangen
Die Lage bleibt angespannt. Offizielle Bestätigungen über Báñez' genauen Zustand gibt es bislang nicht, die Ungewissheit ist qualvoll. In solchen Stunden zeigt sich, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist, unter dem die Verletzlichkeit des Menschen liegt. Moreno, der als Freund und Wegbegleiter spricht, bringt es auf den Punkt: Es ist "fast unmöglich", sich den Schmerz der Angehörigen vorzustellen. Und doch ist es genau dieser Schmerz, der die Nation in den kommenden Tagen verbinden wird – über alle parteipolitischen Gräben hinweg.
Die Tragödie von Urda wird Spanien verändern, dessen ist sich der Autor sicher. Doch zuerst zählt jede Minute, jede Nachricht. Andalusien hält den Atem an – und mit ihm das ganze Land. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachricht über Fátima Báñez' Verbleib ein positives Ende nimmt, doch die Bilder von den zerstörten Waggons lassen wenig Raum für Optimismus. Die Frage ist nicht, ob dieser Tag in die Geschichte eingehen wird, sondern wie tief die Narben sein werden, die er hinterlässt.
Quelle: europapress.es