
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Medaille für López Miras: Ein Preis mit Hindernissen
Ehre, wem Ehre gebührt? Ein Preis für eine Selbstverständlichkeit
Es gibt Momente, da fragt man sich, ob die Welt der Orden und Medaillen nicht langsam den Bezug zur Realität verliert. Der regionale Ministerpräsident von Murcia, Fernando López Miras, hat sich eine Auszeichnung ans Revers geheftet, die auf den zweiten Blick weniger nach Verdienst, sondern mehr nach schlechtem Stil riecht. Der Colegio Oficial de Ópticos-Optometristas der Region Murcia verlieh ihm die Medaille des Ehrenkollegiaten – eine Würdigung, die offenbar schon beim bloßen Erfüllen von Hausaufgaben beginnt.
Die Begründung der Optiker klingt zunächst charmant: López Miras habe sich um die Gesundheit der Augen der Murcianer verdient gemacht. Konkret geht es um eine Steuerermäßigung von 30 Prozent auf Brillengläser und Kontaktlinsen für Kinder unter zwölf Jahren. Das klingt nach aktiver Gesundheitspolitik, nach Weitsicht. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Hier wird eine Maßnahme gefeiert, die nichts weiter als die späte Einsicht in eine Notwendigkeit darstellt. Gute Augen sind kein Luxus, sie sind die Grundlage für Bildung und Teilhabe. Dafür einen Orden zu vergeben, ist in etwa so, als würde man einem Feuerwehrmann eine Trophäe dafür überreichen, dass er das Löschwasser aufgedreht hat.
Die Zahlen, mit denen die Kammer und die Regionalregierung hausieren gehen, sind zweifellos beachtlich: Über 5.163 Kinder profitierten von der Steuererleichterung, und die Familien sparten insgesamt mehr als 278.000 Euro. Das ist ein spürbarer Beitrag zur Entlastung des Portemonnaies. Dennoch – und hier wird es heikel – muss man sich die Frage stellen, warum es überhaupt einer staatlichen Subvention bedarf, um die Sehkraft der Jüngsten zu korrigieren. In einem Land mit einem öffentlichen Gesundheitsdienst, der angeblich für alle Bürger da ist, dürfte die Grundversorgung mit Sehhilfen eigentlich kein Zufallsprodukt fiskalischer Gnade sein.
Wer die Gala der Optiker in Murcia genauer betrachtet, entdeckt noch eine weitere pikante Note: Mit José Ballesta Germán wurde ein Mann posthum zum Ehrenkollegiaten des Jahres 2025 ernannt. Die Vergabe eines Preises an eine Person, die diesen Titel zum Zeitpunkt der Verleihung gar nicht mehr annehmen kann, mag gut gemeint sein, wirkt aber wie ein billiger Trostpreis für vergangene Zeiten. Kritiker könnten auf die Idee kommen, dass hier eher politisches Kalkül als echte Ehrung im Spiel ist, denn die Optiker-Kammer hätte genug aktive Mitglieder, die eine solche Auszeichnung ebenfalls verdient hätten.
Man mag es drehen und wenden, wie man will: Die Feierstunde offenbart eine gefährliche Schieflage. Während die Optiker mit Recht auf die langjährigen Verdienste ihrer ausgeschiedenen Kollegen hinweisen und die ersten festangestellten Optometristen im Gesundheitsdienst der Region willkommen heißen, gerät der eigentliche Kern der Veranstaltung zur Nebensache. Die eigentliche Botschaft des Abends hätte lauten müssen: Die Region Murcia investiert endlich in die Augengesundheit ihrer Kinder. Stattdessen wird die Botschaft von der Selbstinszenierung des Regierungschefs überlagert, der sich für eine Politik feiern lässt, die eigentlich Standard sein sollte. Wie die regionale Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, stand genau dieser Aspekt im Mittelpunkt der Zeremonie.
Fazit: Die Medaille für López Miras ist ein Paradebeispiel für die Inflation politischer Auszeichnungen. Sie zeigt, dass in Spanien der Dank für selbstverständliche Tätigkeiten zur Routine geworden ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Kollegien und Kammern ihre Ehrenmedaillen öfter an jene vergeben, die im Stillen arbeiten, anstatt an jene, die im Rampenlicht stehen und schlicht ihre Pflicht tun.
Quelle: europapress.es