
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marode Infrastruktur bringt Bewässerung an den Abgrund
Ein Riss im System: Wartungsstau bedroht die Ernte
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, der über die Zukunft tausender Bauernhöfe entscheidet. Der Sindicato Central de Regantes del Acueducto Tajo-Segura (SCRATS) hat Alarm geschlagen: Eine technische Störung im Kanal des berühmten Wassertransfers droht, die Lieferung von rund 70 Kubikhektometern Bewässerungswasser bis zum Jahresende zu verhindern. Während das Trinkwasser wohl noch rechtzeitig durchkommen wird, wie Vizepräsident Fernando Rubio vor der Sonderkommission der Regionalversammlung einräumte, sieht es für die Landwirtschaft düster aus. Seine Botschaft ist eindeutig: Die Anlage ist marode, die Reparaturpläne sind zu langsam, und die Nutzer zahlen jährlich zwölf Millionen Euro für einen Unterhalt, der offenbar nie ausreicht. Man vermisse schlichtweg Investitionen in die Substanz, so der Tenor – und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem die Reserven eigentlich üppig gefüllt sind.
Neue Regeln, fatale Folgen: Ein Transfer vor dem Aus?
Doch die akute Havarie ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel grundsätzlicher stößt sich der Verband an den geplanten neuen Betriebsregeln des Tajo-Segura. Diese, so die Rechnung der Reganten, kämen einer schleichenden Exekution des gesamten Projekts gleich. Die Zahlen, die Rubio präsentierte, sind vernichtend: In der sogenannten Stufe 3 würden die monatlichen Lieferungen von 20 Kubikhektometern auf neun schrumpfen, wobei 7,5 davon für die Trinkwasserversorgung reserviert blieben. Für die Felder bliebe nichts. Auch in Stufe 2 droht ein massiver Rückgang von 27 auf 18 Kubikhektometer. Dazu kämen höhere Hürden für die Freigabe der Reserven in den Speicherseen der Kopfregion. Das sei keine Reform, sondern ein Todesurteil für den Transfer und damit für unzählige Betriebe in Südostspanien.
Ökologie als Vorwand? Der Streit um die Flussgesundheit
Die Argumentation der Wasserwirtschaftler ist dabei von einer bemerkenswerten Schärfe: Die Erhöhung der ökologischen Mindestabflüsse des Tajo sei nicht durch Technik, sondern durch Ideologie getrieben. Man sei überzeugt, dass hier politische Gründe über fachliche Einwände gestellt würden, so Rubio. Es gebe schließlich Alternativen, um den Fluss zu beleben, ohne der Landwirtschaft im Südosten das Wasser abzugraben. Diese Position ist freilich umstritten, denn Umweltschützer und die Regierung in Madrid sehen in den erhöhten Abflüssen eine unabdingbare Maßnahme zur Rettung des Flussökosystems. Der Konflikt ist programmiert.
Mondpreise und Blockaden: Das Desaster der Alternativen
Als Ausweg aus der Misere preisen die Regenten die Entsalzung – doch auch hier klaffen Anspruch und Realität weit auseinander. Rubio beklagt, dass die dringend benötigten Erweiterungen der Anlage von Torrevieja und deren Anschluss an das Transfersystem seit Jahren in der Versenkung verschwinden, obwohl die Pläne längst auf dem Tisch liegen. Hinzu kommt der Preis: Mit 1,20 bis 1,30 Euro pro Kubikmeter wäre entsalzenes Wasser mehr als dreimal so teuer wie das bisherige Transferwasser. Und dass ausgerechnet das Ministerium im August eine privat vereinbarte Wasserüberlassung zwischen Bauern aus Aranjuez und dem Südosten blockierte, nährt das Misstrauen zusätzlich. Der Vorwurf: Man sabotiere Lösungen, anstatt sie zu fördern.
Während die Opposition im Landtag, von Sozialisten bis Vox, die neuen Planungen als „Politik des Totens" geißelt und Alternativen einfordert, bleibt die Frage offen: Wie lange kann man die wasserintensive Landwirtschaft einer ganzen Region auf einem brüchigen Fundament aus alten Röhren und neuen Versprechungen aufbauen? Die Zeit für bloße Absichtserklärungen ist abgelaufen.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, äußerte sich der SCRATS-Vizepräsident Fernando Rubio entsprechend vor der Sonderkommission der Regionalversammlung in Murcia.
Quelle: europapress.es