Madrider Mieter wehren sich gegen Verdrängung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrider Mieter wehren sich gegen Verdrängung

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Nachbarschaftlicher Widerstand gegen Investoren

In Madrid formiert sich erneuter Widerstand gegen die Umnutzung von Wohnraum. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnblocks in der Pasaje Ermita del Santo 14 im Stadtteil Puerta del Ángel haben sich zur Gruppe "Bloque en Lucha" zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Mieterverein Sindicato de Inquilinas wollen sie ihre Wohnungen verteidigen.

Hintergrund ist der Verkauf des Gebäudes an ein Unternehmen, das die Mietwohnungen in möblierte Zimmervermietungen auf Zeit umwandeln will. Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurde die neue Eigentümerin aktiv. Per Briefform erhielten die Mietparteien die Information, dass ihre laufenden Verträge nicht verlängert werden. Seitdem flattern Kündigungsaufforderungen ins Haus.

Wie die Bewohnerin Sabina Pérez bei einer Versammlung berichtete, ist es nicht der erste Versuch dieser Art. Schon vor rund drei Jahren standen die Nachbarn vor einer ähnlichen Situation. Damals wollte die vorherige Eigentümerin, eine SOCIMI, das Haus auf Kurzzeitvermietung umstellen. Der organisierte Protest der Bewohner verhinderte dies. Diese Erfahrung gibt der aktuellen Bewegung Auftrieb.

"Wir werden nicht gehen. Wir bleiben, bis es stabile Mietverträge mit bezahlbaren Preisen gibt", erklärte Pérez entschlossen. Sie betonte, dass der Block für viele mehr als nur ein Dach über dem Kopf sei. Einige Bewohner leben nach ihren Angaben seit fast zwei Jahrzehnten in dem Gebäude.

Unterstützung vom Mieterverein

Sandra Mora, Sprecherin des Madrider Mietervereins, war bei der Kundgebung dabei und sicherte den Betroffenen die Solidarität der Organisation zu. Sie verwies darauf, dass die Nachbarschaft bereits bewiesen habe, dass kollektives Handeln Erfolge bringen kann. Andere Mieterinnen und Mieter ermutigte sie, diesen Weg ebenfalls zu gehen.

Der Fall in der Pasaje del Santo ist für Mora kein Einzelfall. Sie sieht ihn als Symptom einer spekulativen Entwicklung, die den gesamten Stadtteil Puerta del Ángel betrifft. Seit 2018 habe ein Fonds nach ihrer Darstellung mehr als 30 Gebäude im Viertel aufgekauft. Die neuen Eigentümer hätten die Bewohner verdrängt, um die Wohnungen anschließend als Kurzzeitdomizile zu vermieten.

Mobilisierung mit Termin

Die Sprecherin stellt die Auseinandersetzung in den Kontext eines größeren Protests. Sie verwies auf den geplanten Mietstreik am 11. November. In den Stadtteilen bereiten Aktionsbündnisse den Termin derzeit vor. Gefordert werden unbefristete Mietverträge, sinkende Mietpreise und ein Mitbestimmungsrecht für Mieterinnen und Mieter.

Die seit Ende September andauernde Mahnwache auf der Puerta del Sol bewertet Mora als Erfolg. Sie habe der Wohnungsnot mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft. Der nächste Schritt sei jedoch, diese Sichtbarkeit in die Kieze zu tragen und dort den Druck aufrechtzuerhalten. Die Aktionen in den Vierteln sollen die zentrale Bühne daher ergänzen, nicht ersetzen. Der Kampf um das Haus in der Ermita del Santo zeigt nach Einschätzung des Vereins exemplarisch, wie Alltagssorgen und politischer Protest zusammenfließen können.

Wie die Zeitung "Europa Press" berichtet, sehen sich die Bewohner des Blocks als Teil einer stadtweiten Bewegung gegen die zunehmende Finanzialisierung des Wohnungsmarkts. Sie fordern von der Politik klare Regeln, um Wohnraum vor spekulativer Verwertung zu schützen.


Quelle: europapress.es

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