
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Llorca muss endlich auftauchen
Abwesender Krisenverursacher
Die Lage ist grotesk. Während die Lehrerschaft der Region Valencia seit einer Woche in einem unbefristeten Streik steht und die Straßen der Hauptstadt erneut von Massenprotesten gegen die Politik des Regionalrats gefüllt sind, sucht man den President Juanfran Pérez Llorca vergeblich. Seine Agenda für diesen Freitag? Leer. Die größte Bildungskrise seit den 1980er Jahren, so beschreibt es die Generalsekretärin der PSPV, Diana Morant, brodelt – und der Mann, der die absolute und ausschließliche Kompetenz für dieses Feld hat, scheint sich davon gemacht zu haben. „Wir können nicht weiterhin zulassen, dass der Präsident der Regionalregierung sich aus Krisen herausschleicht“, konfrontiert Morant die Öffentlichkeit. Ihre direkte Order an Llorca: Er muss nächsten Montag, persönlich, an der Verhandlungstafel zwischen Bildungsministerium und Gewerkschaften sitzen. „Es gibt keine Ausreden mehr.“
Eine Krise mit klarer Herkunft
Morant, die auch als Wissenschaftsministerin der spanischen Regierung amtiert, stellt in ihrer Analyse eine unmissverständliche Ursachenkette dar. Die fünf PP-Regierungen innerhalb der letzten drei Legislaturjahre haben, wie sie berichtet, „eine Krise an die nächste gekettet“. Die aktuellen Proteste sind nicht Ausdruck genereller Unzufriedenheit, sondern eine konkrete Antwort auf die Politik des Konsells. Die Kernvorwürfe: Der öffentliche Bildungssektor wird systematisch demontiert und misshandelt.
Die Probleme, die nun auf dem Tisch liegen, sind laut Morant hausgemacht. Sie führt zwei Beispiele an: Das Chaos um den Valencianisch-Unterricht nach einer gescheiterten Konsultation, sowie die Blockade eines unter der vorherigen Botànic-Regierung vereinbarten Personalaufbaus von 5.200 Lehrkräften. „Diese Vereinbarung haben die PP zur Makulatur gemacht“, so Morant. Die Gewerkschaftsforderungen, die den Streik auslösen, sind in ihrem Augen „vollkommen annehmbar“; viele waren sogar bereits auf dem Weg, bevor die PP die Regierung übernahm. Nun wird nicht nur nicht weitergearbeitet, sondern zurückgerudert.
Das Spiel mit den Schuldigen
Ein besonders perfider Mechanismus der aktuellen Regionalregierung wird von Morant seziert: die Strategie der Schuldverschiebung. „Was der Konsell nicht tun kann, ist weiterhin alle anderen anzuklagen und Konfrontation zu schüren“, argumentiert sie. Sie prophezeit eine dreistufige Eskalation der Ausreden: Erst sollen die Lehrer selbst die Schuld am Streik tragen – ein Versuch, sie gegen Eltern und Schüler auszuspielen. Dann wird die Schuld auf die spanische Zentralregierung geschoben. Und am Ende, ähnlich wie bei der Diskussion um die DANA-Stürme, werden vielleicht sogar die Opfer selbst – hier die protestierende Bildungsgemeinschaft – als Ursache des Problems dargestellt. Doch die Fakten sind eindeutig: Bildung ist eine Kompetenz der Region Valencia. Der Ball liegt bei Llorca.
Der Vergleich macht den Unterschied
Auf die Frage, warum unter der linken Botànic-Regierung die Lehrergehälter nicht erhöht wurden, antwortet Morant mit einem Prinzipienvergleich. Unter Präsident Ximo Puig, so ihre Darstellung, „setzten wir uns mit der Bildungsgemeinschaft zusammen, wir erreichten Vereinbarungen und nicht Streiks“. Der damalige Weg war ein vorwärtsgerichteter Dialog, der zu konkreten Verbesserungen wie der Senkung der Klassenfrequenzen, besserer Infrastruktur und dem Personalaufbau führte. Der Unterschied zum heutigen Stillstand und Rückschritt ist eklatant. „Wir sind nicht besser, wir sind viel schlechter“, bilanziert sie.
Die Finanzargumente der PP-Regierung weist Morant entschieden zurück. Die Lösung liegt auf dem Tisch: „Wenn sie auf diese Steuererleichterungen für die Wohlhabendsten in der Region Valencia verzichten, haben sie Geld für die Lehrkräfte.“ Es ist eine politische Prioritätenentscheidung, und die PP hat, so Morants implizite These, die falsche gemacht.
Die Quellen der Analyse
Die hier dargelegten Positionen und Fakten stammen aus den öffentlichen Statements von Diana Morant, Generalsekretärin der PSPV und Ministerin für Wissenschaft, Innovation und Universitäten, gegeben am Freitag in der Parteizentrale in Valencia vor den koordinierten Großdemonstrationen der Bildungsgewerkschaften. Der zugrundeliegende Konflikt ist der unbefristete Streik im nicht-universitären Bildungssektor der Region Valencia und das gescheiterte Verhandlungsgespräch vom vergangenen Donnerstag.
Quelle: europapress.es