Kraftstoffpreis-Schock trotz allgemeiner Inflationsberuhigung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Kraftstoffpreis-Schock trotz allgemeiner Inflationsberuhigung

von Jonas Beck

Steuermilderung bremst Gesamtinflationsrate

Während sich die Verbraucherpreise im Mai insgesamt moderat entwickelten, verzeichnete eine Schlüsselkomponente einen außergewöhnlichen Sprung. Wie das nationale Statistikinstitut (INE) in seiner detaillierten Veröffentlichung vom Freitag bestätigte, stiegen die Preise für Kraftstoffe um 15,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dieser Wert markiert den höchsten monatlichen Anstieg in dieser Kategorie seit Oktober 2022.

Ausschlaggebend für die gedämpfte Gesamtinflationsrate von 3,2 Prozent im Mai waren staatliche Eingriffe. Ohne das noch immer geltende steuerliche Entlastungspaket im Zuge des Konflikts im Iran, so die Berechnungen des INE, wäre der Preisanstieg bei Kraftstoffen auf 29 Prozent geklettert. Auch die generelle Inflationsrate wäre ohne diesen „Steuerschild“ laut Index zu konstanten Steuern auf 4,4 Prozent gestiegen.

Energiekosten sinken, Kerninflation steigt an

Gleichzeitig erfuhren andere Energiebereiche eine deutliche Entspannung. Die Preise für Elektrizität fielen im Mai um 5,5 Prozent, die für Gas sogar um 9,7 Prozent. Diese Reduktionen sind direkt auf zeitlich befristete Steuersenkungen zurückzuführen, die mit dem Juni ausliefen, was für den Folgemonat automatische Preisanpassungen nach oben erwarten lässt.

Ein gegensätzliches Signal sendet die sogenannte Kerninflation. Dieser Indikator, der die volatilen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel ausblendet, stieg im Mai um zwei Zehntelprozentpunkte auf nun 3,0 Prozent an. Dies ist der höchste Stand seit zwei Jahren und gilt unter Ökonomen als zuverlässigeres Thermometer für eine längerfristige Preisentwicklung, da er zeigt, inwieweit Preiserhöhungen auf die restliche Wirtschaft überzugreifen beginnen.

Entlastung bei Lebensmitteln, aber weiterhin Teuerungsherde

Im Bereich der Lebensmittel gab es eine merkliche Entlastung für die Haushalte. Die Teuerungsrate der Einkaufskiste sank um 0,4 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent – der niedrigste Wert innerhalb eines Jahres. Bei 33 von 56 regelmäßig vom INE überwachten Lebensmittel- und Getränkepositionen verlangsamte sich der Preisanstieg im Mai.

Dennoch existieren weiterhin erhebliche Teuerungsherde. So kosten Hülsenfrüchte im Jahresvergleich 16,3 Prozent mehr, Gemüse 15,2 Prozent, Eier 13,7 Prozent und Fisch 9,7 Prozent. Die anhaltende geopolitischen Spannungen, insbesondere die Blockade der Straße von Hormus, treiben nicht nur die Ölpreise, sondern beeinträchtigen auch den Handel mit für die Landwirtschaft essentiellen Rohstoffen wie Düngemitteln. Diese Effekte wirken zeitverzögert und könnten die Preisentwicklung an der Supermarktkasse in den kommenden Monaten erneut belasten.

Europäische Zentralbank reagiert mit Zinserhöhung

Vor dem Hintergrund eines gesamteuropäischen Inflationsdrucks hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Diese Maßnahme zielt darauf ab, einer möglichen langanhaltenden Inflationsspirale wie in der Ukraine vorzubeugen. Die Entscheidung birgt jedoch das Risiko, die bereits geschwächte Konjunktur in der Eurozone weiter zu belasten.

Die aktuelle Preisstatistik zeigt damit ein gespaltenes Bild: Während direkte staatliche Interventionen die Gesamtinflation temporär eindämmen können, deuten der Anstieg der Kerninflation und die anhaltenden Preistreiber bei Grundnahrungsmitteln auf strukturelle Belastungen hin, deren Lösung über fiskalische Notmaßnahmen hinausgeht.

Quelle: Daten des Instituto Nacional de Estadística (INE), Analyse der Verbraucherpreisindizes für Mai.


Quelle: 20minutos.es