
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kauf ohne Kredit wird seltener
Nach einem Jahr 2025, in dem der spanische Immobilienmarkt so viel Bewegung gesehen hat wie zuletzt vor der Immobilienblase, wird nun etwas kürzer getreten. Zwar bewegen sich die Verkaufszahlen weiterhin auf hohem Niveau, doch zwischen Januar und Mai 2026 wurden 3,4 Prozent weniger Wohnungen verkauft als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der neu abgeschlossenen Hypotheken stieg dagegen um 6,2 Prozent. Dieses Auseinanderlaufen hat einen klaren Treiber: Immer weniger Immobilien werden komplett ohne Kredit gekauft.
Wie 20 Minutos unter Berufung auf das INE berichtet, wurden in den ersten fünf Monaten 2026 insgesamt 288.176 Wohnungen verkauft – durchschnittlich fast 58.000 pro Monat. Im selben Zeitraum kamen 213.777 Hypotheken zur Finanzierung einer Immobilie zustande. Bei rund 74.399 Käufen wurde also ganz auf einen Kredit verzichtet. Das entspricht einem Anteil von 25,8 Prozent. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 32,5 Prozent; ähnlich niedrig war er zuletzt 2021 mit 25,5 Prozent.
Warum immer mehr Käufer zum Kredit greifen
Für Ricardo Gulias, CEO der Hypothekenberatung RN Tu Solución Hipotecaria, ist die Ursache klar: die Immobilienpreise. „Die Wohnungspreise lassen nicht mehr nur Menschen mit geringem Einkommen außen vor. Auch Käufer mit Erspartem, mit Verkaufserlös aus einer vorherigen Immobilie oder mit familiärer Unterstützung müssen heute einen relevanten Teil der Summe finanzieren“, sagt Gulias. Nicht der Sparwille sei verschwunden, sondern die Preise hätten die finanzielle Schlagkraft vieler Haushalte deutlich verringert.
Das zeigt sich auch in den Kreditsummen: Im Mai lag die durchschnittliche Hypothek für eine Wohnung bei 174.866 Euro – 9,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gulias betont: „Der Markt fragt nicht deshalb höhere Kredite nach, weil die Bereitschaft zur Verschuldung gestiegen ist, sondern weil der Kauf einfach viel teurer geworden ist.“
Zusätzlich spielen die Zinsen eine Rolle. Joaquín Fervari vom Finanzierungsvermittler Trioteca verweist darauf, dass Kredite trotz leicht steigender Zinsen weiterhin „attraktiv“ seien. Die meisten Banken bieten Hypotheken unter 3 Prozent an; der durchschnittliche Zinssatz lag im Mai bei 2,98 Prozent. Für Gutverdiener und Investoren kann es sich daher lohnen, eine Immobilie nicht bar zu bezahlen, sondern das eigene Kapital anderweitig anzulegen.
Erste Anzeichen einer Abkühlung
Obwohl Hypothekenkäufe bislang stabil bleiben, verlangsamt sich die Kreditvergabe allmählich. Im Februar lag das Wachstum der Neuverträge noch bei 16,3 Prozent, im März bei 9 Prozent, im April bei 2,3 Prozent. Im Mai ging die Zahl der Hypotheken erstmals seit fast zwei Jahren leicht zurück – um 0,1 Prozent. Die EZB hat die Leitzinsen im Juni angehoben; ob weitere Schritte folgen, hängt auch von der Inflation und den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs ab.
Die Marktteilnehmer sehen darin jedoch keine dramatische Wende. „Nach einer Phase mit sehr viel Aktivität ist eine gewisse Beruhigung normal“, sagt Gulias. Die Käufer seien weniger getrieben, schauten genauer hin, und das Angebot sei deutlich kleiner geworden. „Der Markt moderiert sich ab, aber er geht nicht aus.“
Quelle: 20minutos.es