
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Jerez fordert Rückbau giftiger Spielplatzböden
Neue Gutachten belegen Hormonbelastung
In der andalusischen Stadt Jerez de la Frontera eskaliert der Streit über die Sicherheit öffentlicher Spielflächen. Die Fraktion Izquierda Unida (IU) hat die Kommunalverwaltung offiziell aufgefordert, einen Stufenplan zur Beseitigung aller Recycling-Gummiböden aufzustellen. Betroffen sind nicht nur Kinderspielplätze, sondern auch Sportanlagen und Schulhöfe, wie die Partei in einer Pressemitteilung bekannt gab.
Als Grundlage dienen aktuelle Untersuchungen der Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción. Diese belegen, dass die Granulat-Oberflächen eine komplexe Mischung giftiger Substanzen freisetzen. Laut IU stützen sich die Erkenntnisse auf wissenschaftliche Studien des spanischen Forschungsrats (CSIC), die einen direkten Eingriff in das Hormonsystem sowie negative Auswirkungen auf die neurologische und immunologische Entwicklung von Kindern nachweisen.
Stadtverwaltung ignorierte EU-Vorgaben
Besonders kritisch bewertet die IU das Verhalten der lokalen Behörden in der Vergangenheit. Obwohl ein EU-weites Verbot der Materialien bereits beschlossen ist und am 17. Oktober 2031 in Kraft tritt, habe die Stadt weiterhin auf die belasteten Beläge gesetzt. Die Kommunalpolitikerin Violeta Márquez nannte konkrete Beispiele: den im Jahr 2024 eröffneten Komplex Villas del Este sowie den erst vor rund einem Jahr eingeweihten Park Renfurbis.
„Wir dürfen nicht bis 2031 warten und das Problem aussitzen“, erklärte Márquez. Jeder weitere Tag der Nutzung sei ein vermeidbares Risiko für die öffentliche Gesundheit. Die IU-Stadträtin forderte die Verwaltung auf, umgehend ein Kataster aller betroffenen Flächen zu erstellen. Nur so lasse sich der Umfang der Sanierung beziffern und ein realistischer Zeitplan für den Austausch entwickeln.
Doppelte Chance durch Flächeninventur
Die geplante Kartierung biete aus Sicht der IU jedoch auch eine Gelegenheit für zusätzliche Verbesserungen. Márquez verwies darauf, dass viele der bestehenden Anlagen unter massivem Schattenmangel leiden. Eine systematische Erfassung könnte daher nicht nur Sicherheitslücken schließen, sondern auch Aufschluss über den Bedarf an Sonnenschutz geben. „Spielplätze und Schulhöfe müssen sichere, gesunde und barrierefreie Orte sein“, so die Politikerin, „damit Kinder ohne Einschränkungen im Freien spielen können.“
Die linksgerichtete Fraktion pocht darauf, den Austausch der Beläge noch in dieser Legislaturperiode zu beginnen. Das Ziel sei es, präventiv zu handeln, ohne in Alarmismus zu verfallen. Die endgültige Entscheidung über die Mittel liegt nun beim konservativ geführten Rathaus, das sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat.
Berichtet wurde dies unter anderem von der Nachrichtenagentur Europa Press.
Quelle: europapress.es