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Inflationsdämpfer: Trotz explodierender Kraftstoffpreise bleibt Gesamtindex stabil
Energiepreise entwickeln sich gegenläufig
Die jüngsten Daten des spanischen Nationalen Statistikinstituts (INE) zeichnen ein kontrastreiches Bild der Preisentwicklung im Mai. Während sich die Preise für Elektrizität um 5,5 Prozent und für Erdgas um 9,7 Prozent verbilligten, erlebten Kraftstoffe eine drastische Verteuerung. Ihr Preisindex schnellte um 15,9 Prozent nach oben – der höchste monatliche Anstieg seit Oktober 2022. Diese gegenläufigen Trends hatten zur Folge, dass die allgemeine Inflationsrate unverändert bei 3,2 Prozent blieb, wie das INE bestätigte.
Steuerliche Intervention als Preisdämpfer
Ohne die aktuell noch gültigen steuerlichen Entlastungsmaßnahmen der Regierung, die als Reaktion auf den internationalen Konflikt eingeführt wurden, wäre die Teuerungsrate deutlich höher ausgefallen. Laut Berechnungen des INE auf Basis konstanter Steuersätze hätte die Inflation für Kraftstoffe im Mai bei 29 Prozent gelegen. Die allgemeine Inflationsrate wäre ohne das sogenannte „Steuerschild“ auf 4,4 Prozent geklettert. Diese fiskalischen Puffer haben somit eine signifikante Eskalation der Verbraucherpreise verhindert.
Kerninflation steigt an – Lebensmittel geben teilweise nach
Ein Warnsignal stellt die Entwicklung der Kerninflation dar, die Energie- und unverarbeitete Lebensmittelpreise ausklammert. Sie stieg im Mai um zwei Zehntelprozentpunkte auf 3,0 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit zwei Jahren. Dieser Anstieg deutet darauf hin, dass sich Preiserhöhungen zunehmend in anderen Wirtschaftsbereichen verfestigen könnten.
Im Bereich der Lebensmittel zeigt sich eine gemischte Lage. Die Gesamtinflation für die Einkaufstasche gab auf 2,2 Prozent nach – den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Bei 33 von 56 regelmäßig vom INE überwachten Nahrungsmitteln und Getränken verlangsamte sich der Preisanstieg. Dennoch verzeichnen Grundnahrungsmittel wie Hülsenfrüchte (+16,3 Prozent gegenüber Vorjahr), Gemüse (+15,2 Prozent) und Eier (+13,7 Prozent) weiterhin starke Zuwächse.
Geopolitische Risiken bleiben bestimmend
Die Hauptursache für den Preisschock bei Kraftstoffen sieht das INE in den anhaltenden Auswirkungen des Krieges. Die Sperrung der Straße von Hormus habe nicht nur die Ölpreise in die Höhe getrieben, sondern auch den Handel mit für die Landwirtschaft essenziellen Rohstoffen wie Düngemitteln stark beeinträchtigt. Dieser Effekt wirke mit Verzögerung und könnte sich in Zukunft wieder verstärkt auf die Lebensmittelpreise auswirken.
Vor dem Hintergrund eines gesamteuropäischen Inflationsanstiegs reagierte die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag mit einer ersten Zinserhöhung seit drei Jahren. Das Ziel ist, einer ähnlichen Preisspirale wie im Zuge des Ukraine-Konflikts vorzubeugen, wobei dieses Instrument die bereits geschwächte europäische Wirtschaft zusätzlich belasten kann.
Die statistischen Erhebungen des INE deuten darauf hin, dass die kurzfristige Preisstabilität maßgeblich von der Fortführung fiskalischer Unterstützungsmaßnahmen abhängt. Mit deren Auslaufen, wie beispielsweise bei Strom und Gas zum Juni, ist mit einem automatischen Preisanstieg in diesen Bereichen zu rechnen.
Quelle: 20minutos.es