
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ibizas Strände sind am Kipppunkt
Ibiza gilt als Partyinsel, als Sehnsuchtsort, als Garant für grenzenlosen Sommerspaß. Doch der Preis dafür ist hoch – und er wird immer häufiger von der Natur bezahlt. Eine aktuelle Untersuchung des Observatorio de Sostenibilidad von Ibiza & Formentera Preservation bringt es auf den Punkt: Der berühmte Strand Platges de Comte ist im August an seine Grenzen gestoßen – und weit darüber hinaus.
Zahlen, die alarmieren
Wie die Organisation in einer Mitteilung zum Welttag der Strände bekannt gab, wurde am 4. August um 15 Uhr mit 1.513 Menschen fast die dreifache Menge der geschätzten physischen Kapazität von 537 Personen gezählt. Pro Person blieben da nur noch 2,67 Quadratmeter Sand – weniger als ein Drittel des empfohlenen Richtwerts von 7,5 Quadratmetern. Das ist keine Momentaufnahme: Unter der Woche lag die durchschnittliche Besucherzahl bei 1.073, also ebenfalls fast doppelt so hoch wie erlaubt.
Zwei Strände, zwei Welten
Zum Vergleich: Die Platja de Santa Eulària, ebenfalls Teil der Studie, hat eine Kapazität von 2.225 Personen und wurde am 1. August gerade einmal zu 27,8 Prozent genutzt. Dort hatten die Menschen im Schnitt 27 Quadratmeter pro Person – ein paradiesischer Zustand im Gegensatz zur Enge von Platges de Comte. Dass ausgerechnet der Naturschatz unter den Stränden so stark belastet wird, während der urbane Strand kaum frequentiert ist, ist kein Naturgesetz, sondern die Folge fehlender Steuerung.
Die Infrastruktur kollabiert
Besonders dreist: Die beiden Parkplätze nahe Platges de Comte – zusammen mit den Restaurants auf 29.526 Quadratmetern geschütztem ländlichem Boden – haben keinerlei spezielle Parkregulierung. Bis zu 888 Fahrzeuge wurden dort zwischenzeitlich gezählt. Während die Touristen in Scharen anrollen, schauen die Verantwortlichen zu. Die Behörden lassen zu, dass ein schützenswertes Ökosystem zur Frittenbude wird.
Gegenargumente verfangen nicht
Natürlich hört man aus der Tourismusbranche das übliche Lamento: Ibiza lebt vom Tourismus, Jobs hängen daran, jede Regulierung sei ein Angriff auf die Freiheit. Nur: Freiheit endet dort, wo der Strand nicht mehr betreten werden kann, ohne sich gegenseitig auf den Füßen zu stehen. Wer den Massenandrang weiter gewähren lässt, zerstört genau das, wofür die Gäste kommen. Nachhaltigkeit ist keine Ideologie, sondern schlicht die Grundlage für die eigene Zukunft.
Handeln statt beobachten
Das Observatorio fordert deshalb Konsequenzen: regelmäßige Kontrollen und angepasste Maßnahmen für jede Bucht, in der die Belastungsgrenze immer wieder überschritten wird. Das ist kein frommer Wunsch, sondern eine Notwendigkeit. Wer jetzt nicht handelt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Ibizas Küsten bald nur noch in der Erinnerung schön sind. Die Daten aus diesem Sommer sind eindeutig – wer sie ignoriert, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
Quelle: Europa Press / Observatorio de Sostenibilidad de Ibiza & Formentera Preservation
Quelle: europapress.es