
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Granada liefert Bewerbung für Kulturhauptstadt ab
Der letzte Akt hat begonnen
Granada hat den Fehdehandschuh hingeworfen. Mit der formellen Übergabe des sogenannten Bid Books an das spanische Kulturministerium ist die Stadt in die entscheidende Phase ihres Kampfes um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2031 eingetreten. Die Bewerbungsfrist ist vorbei, jetzt zählt nur noch das, was auf dem Papier steht – und was die Juroren vor Ort sehen wollen.
Wer jetzt noch glaubt, dieser Wettbewerb sei eine reine Formsache, der irrt gewaltig. Granada weiß, dass es gegen starke Konkurrenz bestehen muss. Cáceres, Las Palmas und Oviedo sind ebenfalls im Rennen und haben ihre Hausaufgaben gemacht. Der Druck ist real, die Zeit drängt. Bereits Ende November wird der Expertenausschuss in der andalusischen Stadt erwartet, nur wenige Tage später muss die Delegation ihre Vision in Madrid verteidigen, und am 3. Dezember fällt schließlich die Entscheidung. Drei Termine, die über das kulturelle Schicksal der Stadt für ein ganzes Jahrzehnt entscheiden könnten.
Die Kritik der Experten war deutlich
Dass Granada es bis hierher geschafft hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Weg war holprig, und die Kritik des Expertenkomitees aus dem April sitzt tief. Die Gutachter verlangten mehr als nur schöne Worte: Sie forderten ein schlüssigeres Programm, einen künstlerischen Leiter mit dem richtigen Profil, eine konkretere europäische Dimension – und vor allem finanzielle Zusagen der Regierung in Sevilla. Dazu gesellte sich ein heikler Punkt, den man in einer Stadt wie Granada nicht ignorieren kann: die Gefahr der Überfüllung. Wer die Alhambra zur Hauptattraktion einer Kulturhauptstadt macht, muss sich die Frage gefallen lassen, ob die Einheimischen dabei nicht auf der Strecke bleiben.
Die Stadtverwaltung bläst dennoch zum Angriff. Es gehe um weit mehr als ein Jahr Feiern, betonte Bürgermeisterin Marifrán Carazo. Die Strategie solle das kulturelle Leben dauerhaft stärken und die Stadt enger an Europa binden – Kultur, Wissenschaft und Wissen als Triebfedern. Die andalusische Kulturministerin Patricia del Pozo sekundiert eifrig: Granada sei zwar ein „unvergleichlicher Schatz“, aber der Titel biete die Chance, sich der Welt als das zu präsentieren, was sie sei: Hauptstadt der Kunst und Kultur.
Ein Buch mit vielen Autoren
Das Bid Book ist kein Werk einer einzelnen Behörde, sondern ein Sammelsurium aus vielen Interessen. Das Konsortium hinter der Bewerbung liest sich wie das Who-is-Who der Region: Rathaus, Regionalregierung, Provinzverwaltung, Universität, Handelskammer, sogar der Forschungsrat CSIC – und ausdrücklich auch die Städte Ceuta und Melilla ziehen an einem Strang. Dazu kommen kulturelle Größen wie Luis García Montero, Dichter und Direktor des Instituto Cervantes, der das Projekt als Chance sieht, Kultur als identitätsstiftend zu begreifen. Gut gemeint, aber reicht das?
Die entscheidende Frage bleibt, ob all diese Beteuerungen die unabhängigen Juroren überzeugen können. Granada hat die Unterlagen eingereicht, die Frist ist verstrichen. Was zählt, ist nun die Kunst der Überzeugung. Am 3. Dezember wird sich zeigen, ob die Stadt aus dem Schatten ihrer eigenen Geschichte treten kann – oder ob die Konkurrenz die Nase vorn hat.
Wie europapress berichtet, steht derweil fest, dass die Bewerbung weit über 2031 hinauswirken soll. Geplant sind neue Projekte in den Vierteln und mehr Teilhabe für die Bürger. Ein ambitionierter Plan. Doch Ambition allein gewinnt keine Titel. Wie das Gremium die Vorschläge bewertet, ist offen – und genau das macht den Wettbewerb so spannend.
Quelle: europapress.es