
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Patineten-Strafen halbieren sich in Granada
Von der Kontrolle zur Gewohnheit: Granadas E-Scooter-Fahrer werden erwachsen
Es gibt sie noch, die rücksichtslosen Geisterfahrer der Fußgängerzone, die mit ihrem Elektroflitzer durch rote Ampeln pflügen. Doch die Zeiten, in denen Granadas Straßen ein rechtsfreier Raum für E-Scooter-Fahrer waren, neigen sich offenbar dem Ende zu. Die Zahl der Anzeigen wegen fehlender Registrierung von Elektrokleinstfahrzeugen ist in der andalusischen Metropole drastisch gesunken: Wurden im Mai dieses Jahres noch rund 80 solcher Bußgelder verhängt, waren es im September nur noch etwa 40. Das berichtet die lokale Polizei gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press.
Die Behörden verbuchen diesen Rückgang als Erfolg ihrer Doppelstrategie aus Kontrolle und Information. Seit Mai gilt in Spanien die Pflicht zur Registrierung und zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung für die motorisierten Roller. Und genau hier zeigt sich der Effekt: Bei den Verstößen gegen die Versicherungspflicht ist der Rückgang sogar noch spektakulärer. Wurden im Mai, dem ersten Monat mit Bußgeldbewehrung, noch rund 100 Fahrer ohne Police erwischt, waren es im September gerade einmal drei.
Die Bilanz des strengen Blicks
Doch wer jetzt glaubt, die Gefahr sei gebannt, irrt. Die Polizei von Granada hat sich geradezu als „eifersüchtig“ bei der Verfolgung von Verkehrssündern auf zwei Rädern erwiesen – und das ist wörtlich zu nehmen. Die Zahlen des Gesamtjahres sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen Januar und September 2026 summierten sich die Anzeigen gegen E-Scooter-Fahrer auf 1.100. Allein einhundert Bußgelder entfielen auf das Fahren in Fußgängerzonen, über hundert auf das Überfahren roter Ampeln, und fast ebenso viele wurden für die Nutzung von Kopfhörern oder Mobiltelefonen am Steuer ausgestellt.
Der neue Eifer der Ordnungshüter hat Methode: Es gibt eine feste „Dienstanweisung“ für die Kontrolle von E-Scootern. Diese Taktik zeigt Wirkung, auch wenn sich die Prioritäten verschoben haben. Zu Jahresbeginn, als die Registrierungspflicht noch nicht existierte, dominierten Rotlichtverstöße mit über 60 Prozent die Statistik, gefolgt von Kopfhörernutzung (30 Prozent) und dem Befahren von Gehwegen (10 Prozent). Diese klare Rangfolge der Verstöße könnte sich nun verschieben, da die Grundpflichten der Registrierung mehr und mehr verinnerlicht sind.
Wenn aus Kontrolle Katastrophe wird
Dass die Strafen oft mehrfach und hart ausfallen, zeigen die drastischen Beispiele aus dem Mai. Ein Fahrer wurde mit 1,78 Milligramm Alkohol pro Liter Blut gestoppt – das Siebenfache des erlaubten Limits. Er kassierte eine Rechnung von 1.500 Euro: 1.000 Euro für die Trunkenheitsfahrt, 500 Euro für den Rotlichtverstoß. Im anderen Extremfall wurde ein einziger Fahrer gleich vierfach zur Kasse gebeten: Er fuhr mit Kopfhörern, nahm einen Sozius mit, und sein Fahrzeug war weder registriert noch versichert. Die Quittung: stolze 800 Euro.
Die Botschaft aus Granada ist klar: Die Ära der grenzenlosen Freiheit auf dem E-Scooter ist vorbei. Die Stadt hat verstanden, dass Mobilität nicht chaotisch sein darf, sondern reguliert werden muss. Und es scheint, als hätten es die Fahrer nun auch verstanden. Die sinkende Zahl der Anzeigen ist nicht zwangsläufig ein Zeichen von mehr Courage, sondern schlicht von mehr Vernunft.
Quellen: Europa Press, Angaben der Policía Local de Granada
Quelle: europapress.es