Geschworene sprechen Urteil im Fall Camposol

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Mazarron

Geschworene sprechen Urteil im Fall Camposol

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Urteil nach fast vier Jahren

Rund dreieinhalb Jahre nach dem Tod einer 56-jährigen Britin in der Urbanisation Camposol hat ein Schwurgericht in Murcia sein Urteil gefällt. Die neunköpfige Jury befand den Ehemann des Opfers am Montag des fahrlässigen Totschlags für schuldig - und sprach ihn damit vom Vorwurf des Mordes frei. Das berichtet die Nachrichtenagentur Europa Press.

Der Fall hatte von Beginn an für Aufsehen gesorgt: Die Staatsanwaltschaft ging zunächst von einem Gewaltverbrechen aus und forderte 25 Jahre Haft. Die Anklagebehörde und die Nebenklage, die die Schwester des Opfers vertritt, hatten dem heute 72-jährigen Briten vorgeworfen, seine Frau nach einem Streit brutal niedergeschlagen und getötet zu haben.

Fatale Rückwärtsfahrt

Doch die Geschworenen folgten dieser Darstellung nicht. Sie sahen es als erwiesen an, dass die Frau am 4. Dezember 2022 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann seine Ehefrau versehentlich mit seinem Auto überrollt, als er rückwärts aus der Einfahrt des gemeinsamen Hauses fuhr.

Die Beweisaufnahme ergab laut Urteil folgendes Bild: Der Beschuldigte war mit seinem Wagen vor dem Anwesen vorgefahren und hatte sich zunächst hinten im Fahrzeug zu schaffen gemacht, um umgefallene Einkaufstüten aufzuheben. Seine Frau war währenddessen ausgestiegen und hatte sich zum Haus begeben, um die Hunde hineinzubringen. Dabei stürzte sie offenbar und blieb hinter dem Fahrzeug liegen - quer zur Fahrtrichtung, der Kopf nahe am Bordstein.

Kein Vorsatz erkennbar

Als der Mann wenig später zurücksetzte, um zu prüfen, ob im Haus bereits Licht brannte, überrollte er seinen Ehepartner. Die tödlichen Verletzungen - unter anderem Rippen- und Brustbeinbrüche sowie schwere Lungenschäden - waren nach Ansicht der Gutachter mit einem solchen Unfallhergang vereinbar.

Sieben der neun Geschworenen stimmten dafür, dem Briten Fahrlässigkeit zur Last zu legen. Zwei sahen nicht einmal das als erwiesen an. Ein Mord oder Totschlag mit Vorsatz wurde von allen Juroren einhellig verneint. Auch die These der Anklage, der Mann habe die Schlagfertigkeit seiner Frau ausgenutzt, die unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss gestanden haben soll, fand vor Gericht keine Bestätigung.

Vier Jahre Haft gefordert

Nach dem Schuldspruch haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage ihre Strafanträge reduziert: Sie fordern nun vier Jahre Haft sowie den Entzug des Führerscheins für sechs Jahre. Zusätzlich soll der Verurteilte 21.940 Euro Entschädigung an die Schwester der Toten zahlen. Die Staatsanwaltschaft erwägt zudem, eine zweijährige Bewährungsaufsicht nach der Haftentlassung anzuordnen.

Die Verteidigung verwies darauf, dass ihr Mandant bereits einen Teil der Entschädigung gezahlt habe, und plädierte für eine Strafmilderung. Zudem bat sie darum, den Briten, der seit fast vier Jahren in Untersuchungshaft sitzt, umgehend auf freien Fuß zu setzen. Das endgültige Strafmaß wird nun in Kürze vom Gericht festgesetzt.


Quelle: europapress.es

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